Wurde in der Zeit von ʿUmar (r) wirklich ein Baby im Grab geboren?

Zu Herrschaftszeiten Umar b. al-Ḫaṭṭābs kam ein Mann mit seinem Sohn zu ihm.
ʿUmar, der Kalif, war sehr erstaunt über ihre große Ähnlichkeit.

Der Mann sagte: „Er ist geboren, während seine Mutter tot war!“

ʿUmar sagte: „Wehe dir! Berichte mir, wie es geschah!“

Der Mann berichtete: „Vor einiger Zeit wurde zum Kampf gerufen. Ich verabschiedete mich von meiner schwangeren Frau und sie sagte mir: ‚Wie kannst du mich alleine und schwanger zurücklassen?!‘ Daraufhin antwortete ich: ‚Ich lasse das, was in deinem Bauch ist, unter Allahs Schutz‘ – und ging fort. Als ich zurückkehrte, sah ich die Tür meines Hauses verschlossen. Ich fragte nach und erfuhr, dass meine Frau verstorben war. Daraufhin ging ich zu ihrem Grab in al-Baqīʿ und weinte. Als es Nacht wurde, ging ich wieder dorthin und traf jemanden, der sagte, dass er jede Nacht aus einem der Gräber ein Feuer sah. Als ich mich näherte, kam dieses Feuer aus dem Grab meiner Frau. Ich sagte: Sie war doch eine fastende, betende und schamhafte Muslima! Dann nahm ich eine Axt, öffnete das Grab und sah sie dort sitzend, während mein Sohn neben ihr kroch. Daraufhin rief jemand und sagte: ‚Oh du, der Allah um Schutz gebeten hat, nimm das, wofür du Allah um Schutz gebeten hast. Hättest du Ihn auch um Schutz deiner Frau gebeten, so hättest du auch sie wieder gefunden.‘ So nahm ich meinen Sohn und machte das Grab wieder zu. Dies ist die Geschichte, o Führer der Gläubigen.“

Diese Geschichte wird von aṭ-Ṭabarāni in ad-Duʿāʾ Nr. 824, al-Ḫaraiṭī in Makārim al-aḫlāq Nr. 753, Ibn Abī ad-Dunyā in Man ʿāša baʿd al-mawt Nr. 25 und in Muǧābu ad-daʿwā Nr. 47 über folgende Tradentenkette überliefert:

ʿUbayd b. Isḥāq al-ʿAṭṭār – ʿĀṣim b. Muḥammad – Zayd b. Aslam, von seinem Vater.

Diese Überlieferung wird als sehr schwach (ḍaʿīf ǧiddan) eingestuft, wenn nicht sogar als erfunden, da der Überlieferer ‘ʿUbayd b. Isḥāq’ von vielen Hadithgelehrten sehr stark kritisiert wurde:

1. Imām al-Buḫārī sagte über ihn: (munkar al-ḥadiṯ). Diesen Ausdruck benutzt al-Buḫārī um klar zu machen, dass nichts von diesem Tradenten authentisch ist bzw. akzeptiert wird. (Vgl. at-Tārīḫ aṣ-ṣaġīr, Bd. 2, S. 334)

2. Isḥāq b. Manṣūr sagte über ihn: „Ich bezeuge vor Allah, dass Muḥammad b. Ḥumayd und ʿUbayd b. Isḥāq Lügner sind. (Tārīḫ al-baġdād Bd. 2, S. 263).

3. Ibn Maʿīn sagte: „Er ist nichts“. (al-Ǧarḥ wa at-taʿdīl, Bd. 4, S. 401)

Darüberhinaus ist auch der Inhalt der Überlieferung merkwürdig und deutet auf ihre Schwäche hin:

1. Das überlieferte Geschehen soll in al-Baqīʿ stattgefunden haben: Jede Nacht soll Feuer aus dem Grab der Frau gekommen sein, wohingegen nur ein einziger und dazu sehr schwacher Tradent es bemerkt haben soll. Falls die Überlieferung tatsächlich authentisch wäre, hätte sich ihr Inhalt viel schneller verbreitet.

2. Wäre das Kind wirklich im Grab geboren, so hätte es Milch zum Trinken gebraucht. Die verstorbene Mutter hätte sie aber bestimmt nicht bereitstellen können. Ohne Zweifel ist Allah zwar zu allem fähig, doch gibt es im Koran und in der Sunna bereits genug authentische Geschichten, die auf Allahs Allmächtigkeit hinweisen.

Die Hadithgelehrten sagen: wenn mit dem Inhalt einer Überlieferung etwas nicht stimmt, so ist dies auf einen Fehler eines meist schwachen Überlieferers zurückzuführen. Diese Tatsache wird auch in dieser Erzählung deutlich.
Die Hadithgelehrten sagen auch der Meinung, dass es nicht erlaubt ist, solche Geschichten zu erzählen, ohne darauf hinzuweisen, dass es sich hierbei um sehr schwache bzw. erfundene Geschichten handelt.

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