Mawlid: Ein Fest der Verehrung oder eine verwerfliche Neuerung?

Sep 21, 2023Artikel

Einleitung

Die Diskussion über das Urteil der Geburtsfeier (Mawlid) des Propheten Muhammad ﷺ wird zu dieser Zeit jedes Jahr aufgeworfen. Es ist bekannt, dass der Prophet diese Feier nicht begangen hat, ebenso wenig wie seine Gefährten oder jemand aus den bevorzugten drei Generationen. 

Und so veröffentlicht das ägyptische Fatwa-Amt (dār al-iftāʾ) jedes Jahr erneut Fatwas im Zusammenhang mit der Feier des Geburtstages des Propheten , bekräftet die Rechtmäßigkeit dessen und beschreibt das Feiern in einigen Fatwas[2] sogar als eine der „besten Taten und größten Gottesdienste“. Darüber hinaus bestimmte das Amt sogar, dass die Legitimität dessen kategorisch bewiesen ist, mit der Behauptung, dass „das Feiern seiner Geburt bedeutet, dass man ihn feiert, und ihn zu feiern ist eine Angelegenheit, deren Legitimität kategorisch bewiesen ist.“ In den meisten dieser Fatwas wird überliefert, dass die islamische Gemeinde sich darüber einig ist, dass es wünschenswert ist, den Geburtstag des Propheten zu feiern, und dass dies niemand abgestritten hat.[3] Am siebten Rabiʿ al-Awwal 1444 n. Chr. Veröffentlichten sie auf ihren Social-Media-Plattformen einen Beitrag, in dem es heißt:

„Feiert die Geburt des Gesandten Allahs ﷺ und lasst seine Sunna wieder aufleben, und achtet nicht auf diejenigen, die es verbieten, denn in der Sunna des Propheten wurden viele Beweise dafür erwähnt, dass die ehrenwerten Gefährten den Propheten ﷺ, und seine Familie feierten. Und sie taten dies mit der Zustimmung und Erlaubnis des Propheten. Durch Burayda al-Aslamī, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wird überliefert: ,Der Gesandte Allahs ﷺ ging auf einen seiner Feldzüge, und als er fertig war, kam ein schwarzes Mädchen und sagte: ,O Gesandter Allahs, ich hatte geschworen, dass ich, wenn Allah dich sicher zurückbringen würde, vor dir Tamburin spielen und singen würde.‘ So sagte der Gesandte Allahs ﷺ, zu ihr: ,Wenn du geschworen hast, dann spiele Tamburin, ansonsten nicht.‘“ Darüber hinaus feierte der Prophet ﷺ seine ehrenvolle Geburt und trug es uns als Sunna auf, Allah, dem Allmächtigen, für seine ehrenvolle Geburt zu danken. So ist es von ihm authentisch überliefert, dass er am Montag fastete und sagte: „An diesem Tag bin ich geboren.“ Dies wurde von Muslim durch die Überlieferung von Abū Qatādah berichtet, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Dadurch symbolisiert der Prophet seinen Dank an die Gnade Allahs an ihn und an seine ehrenvolle Gemeinde selbst. Die Gelehrten der ersten und nachfolgenden Generationen seit dem vierten Jahrhundert nach der Auswanderung einigten sich auf die Legitimität des Feierns des prophetischen Geburtstags, sie verfassten sogar über die Erwünschtheit dessen viele Abhandlungen. Mittels Beweise erklärten sie die Erwünschtheit dieser Handlung, so dass es denjenigen, die Verstand besitzen, nicht möglich ist, zu leugnen, was unsere rechtschaffenen Vorgänger taten, als sie den Jahrestag des Geburtstags des Propheten feierten. Und sie pflegten, die Nacht des mawlid wiederzubeleben mit verschiedenen Arten von Opfergaben wie z.B. das Austeilen von Speisen, das Rezitieren des Korans, Bittgebete zu sprechen, das Singen von Gedichten und Lobpreisungen über den Gesandten Allahs ﷺ. Dies wurde von mehr als einem Historiker bestätigt, wie z. B. von den Huffaz Ibn al-Ǧauzī, Ibn Kaṯīr, al-Ḥāfiẓ Ibn Diḥya al-Andalusī, al-Ḥāfiẓ Ibn Ḥaǧar und Ǧalāl al-Dīn al-Suyūṭī, möge Allah, der Allmächtige, ihnen gnädig sein.“ 

Im folgenden Aufsatz werden einige Argumente aufgelistet, die das ägyptische Fatwa-Amt in dieser Fatwas als Beweismittel für das Feiern des mawlid herangezogen hat. Darüber hinaus erwähnen wir weitere Argumentationsweisen für die Zulässigkeit des mawlid und verdeutlichen ihre Schwächen. 

Zuvor stellen wir jedoch einige Prämissen vor, worauf der Aufsatz aufgebaut ist:

  1. Die Religion des Islam basiert auf zwei Grundlagen: Dass nur Allah angebetet wird, und dass Allah nur durch das angebetet wird, was er durch seinen Propheten ﷺ offenbart hat. Die Grundlage des ersten ist die Vereinheitlichung Allahs in der gottesdienstlichen Praxis (ʿibāda). Und die Grundlage des zweiten ist die Alleinige Befolgung des Propheten . Das Gegenteil der ersten Grundlage wiederum ist der Shirk. Und das Gegenteil des zweiten Prinzips sind unerlaubte Neuerungen. Deshalb einigten sich die Gelehrten darauf, religiöse Neuerungen abzulehnen und diese als Irreführungen festzulegen. Diese Schlussfolgerung basiert auf der Aussage des Propheten: „Wer etwas in unsere Angelegenheit(den Islam) einführt, das nicht von ihr ist, dem wird es zurückgewiesen.“[4]

Imam an-Nawawī, möge Allah ihm gnädig sein, sagte: „ Dieser Hadith stellt eine bedeutende Grundlage der islamischen Prinzipien dar und gehört zu den umfassenden Aussagen des Propheten, Friede sei mit ihm. Er ist eindeutig in der Ablehnung aller Neuerungen und Erfindungen im Glauben.“[5]

  1. Jeder Akt der Verehrung, den der Prophet ﷺ und seine Gefährten trotz der gegebenen Notwendigkeit und ohne vorhandene Hindernisse nicht praktiziert haben (wuǧūd al-muqtaḍī wa-intifāʾ al-māniʿ), zeigt, dass sie ihn aus einem Grund nicht praktiziert haben: weil es als unzulässige Neuerung angesehen wird. Der Beweis für dieses Prinzip ist der zuvor erwähnte Hadith, der verdeutlicht, dass der Grundsatz in religiösen Handlungen auf festgelegten Vorgaben basiert. Deshalb obliegt es demjenigen, der eine bestimmte Form der Anbetung befürwortet und ausübt, deren Rechtmäßigkeit zu belegen. Im Gegensatz dazu stützt sich derjenige, der sie zurückweist, bereits auf eine allgemein akzeptierte Grundlage. As-Samʿānī sagte: „Wenn der Prophet etwas unterlassen hat, müssen wir ihm darin folgen.“[6]

Das ägyptische Fatwa-Amt argumentiert, dass die Freude über den Propheten Mohammed und seine Geburt islamisch vorgeschrieben ist. Die Kritiker dieses Standpunkts argumentieren jedoch, dass die Art und Weise, wie diese Freude ausgedrückt wird – durch das Abhalten von großen Festen, das Singen von Lobpreisungen und Gedichten, und andere Aktivitäten, die oft als unislamisch angesehen werden (wie Tanz und Musik) – nicht im Einklang mit den islamischen Lehren steht. 

Sheikh al-Islam Ibn Taymiyya – möge Allah ihm gnädig sein – sagte: „Ebenso führen dies einige Leute neu ein, entweder aus Nachahmung der Christen bei der Geburt Jesu, Friede sei mit ihm, oder aus Liebe zum Propheten  , und um ihn zu ehren. Und Allah möge sie für diese Liebe und diesen Fleiß belohnen, nicht für die Neuerung – indem sie die Geburt des Propheten , als ein Fest annehmen – trotz der Meinungsverschiedenheiten über sein Geburtsdatum. Denn dies wurde von den Vorgängern nicht getan, trotz Existenz der Notwendigkeit und des Fehlens eines Hindernisses, wenn es gut sein sollte. Und wenn dies rein gut oder in seinen Beweisen überwogen hätte, dann hätten die Vorgänger, möge Allah mit ihnen zufrieden sein, das Feiern der Geburt des Propheten mehr verdient als wir, weil sie den Gesandten Allahs  ﷺmehr liebten und ehrten als wir. Die Vervollkommnung seiner Liebe und Ehrung besteht darin, ihm zu folgen, ihm zu gehorchen, seinen Befehlen zu folgen, seine Sunnah innerlich und äußerlich zu beleben, das zu verbreiten, wofür er gesandt wurde, und dafür mit Herz, Hand und Zunge zu streben. Denn dies ist der Weg der ersten Vorläufer unter den Muhajireen und den Ansar und denen, die ihnen in Güte folgten.“[7]

Festlegung als ein Fessttag 

Anas (r) berichtet, dass der Gesandte Gottes nach Medina kam und sie hatten zwei Tage, an denen sie spielten. Er fragte: „Was sind diese beiden Tage?“ Sie antworteten: „Wir spielten an diesen Tagen in der Zeit der Unwissenheit.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Allah hat sie für euch durch zwei bessere Tage ersetzt: den Tag des Opferfestes und den Tag des Fastenbrechens“.[8] 

Dies ist ein Beweis dafür, dass die Festlegung eines bestimmten Tages als Festtag zu den religiösen Bestimmungen des Islam gehört, die einen Beweis erfordern. Der Prophet verbot die Festlegung eines bestimmten Tages als Festtag, was darauf hindeutet, dass es für Muslime verboten ist, einen anderen Feiertag als die vom Gesandten Allahs festgelegten zu haben. 

Scheich al-Islam Ibn Taymiyyah erwähnte, dass Feste eine religiöse Vorschrift sind, die Belege erfordert. Er sagte dann: „Der Prophet hatte verschiedene Reden, Verträge und Ereignisse an verschiedenen Tagen, wie den Tag von Badr, Hunayn, dem Graben, der Eroberung von Mekka, den Zeitpunkt seiner Auswanderung und seiner Ankunft in Medina. Trotzdem hat dies nicht dazu geführt, dass solche Tage als Feste betrachtet werden sollten.“[9]

Kulturelle Tradition oder Annäherung an Allah?

Diejenigen, die das Feiern des Mawlid befürworten, argumentieren nicht einfach mit dem Grundsatz, dass alles erlaubt ist, bis es verboten wird. Stattdessen suchen sie nach einer islamischen Rechtfertigung, die ihre Praxis stützt. Sie behaupten nicht, dass das Feiern des Mawlid grundsätzlich erlaubt ist. Dies deutet darauf hin, dass sie den Mawlid als eine Form der Anbetung und Nähe zu Allah sehen und nicht nur als eine kulturelle Tradition. Würden sie den Mawlid lediglich als Tradition betrachten, könnten sie das allgemein anerkannte Prinzip anwenden, dass alles erlaubt ist, solange es nicht explizit verboten ist, wie es bei Gewohnheiten, Essen und Trinken der Fall ist. 

Wenn also die frühen Gelehrten es nicht als Gewohnheit betrachten, sondern als eine Annäherung an Gott, muss die Beweisführung dafür auf die gleiche Weise erfolgen, wie sie für Anbetungen erfolgt. 

Wenn wir die Feier des Mawlid anhand der Beweise betrachten, die zwischen der Sunna und der Neuerung unterscheiden, ergibt sich die Richtigkeit der Ansicht, dass es eine verbotene Neuerung ist. Die Tatsache, dass der Prophet , seine Gefährten und die rechtschaffenen Vorfahren (Salaf) den Mawlid (Geburtstag des Propheten) nicht gefeiert haben, deutet darauf hin, dass es nicht legitim ist. Denn diese Feier gehört zu den Handlungen der Annäherung an Gott, die einen erlaubenden Beweis erfordern. Dies wurde von Ibn Taymiyyah,[10] Al-Fakihani,[11] Al-Shatibi,[12] Ibn Al-Hajj Al-Maliki,[13] Mulla Ali Al-Qari,[14] Rashid Rida[15] und anderen bestätigt. 

Oft wird jedoch eingewendet, dass die Feier von Festen nicht zu den Handlungen der Anbetungen gehört und daher nicht verboten ist. Dieser Einwand wird durch den vorherigen Hadith widerlegt. 

Die Erhebung des Tages zu einem Feiertag ist verboten, unabhängig davon, ob an diesem Tag eine gottesdienstliche Handlung praktiziert oder nicht. Dies ist aus dem Hadith klar, denn Anas ibn Malik, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte nicht über die beiden Tage, die die Ansar in der Zeit der Unwissenheit hatten, dass sie Tage der Annäherung und Anbetung seien, sondern Tage Spielens (Feierns). Trotzdem verbot der Prophet sie, und das Verbot des Spielens an diesen Tagen ist nicht nur auf das Verbotene beschränkt, sondern auf jegliche Art von Spielen, und der Grund dafür ist, dass es als Feiertag betrachtet wird.

Einigung über die späte Einführung des mawlids  

Sowohl diejenigen, die den Mawlid für verboten und als Neuerung halten, als auch diejenigen, die es für zulässig halten, stimmen darin überein, dass es zur Zeit der Gefährten und der Nachfolger nicht gefeiert wurde. Der Gelehrte Abu Shama, der es für zulässig hält, sagt: „Eines der besten Dinge, die in unserer Zeit in dieser Hinsicht erfunden wurde, ist das, was jedes Jahr in der Stadt Erbil getan wird, um den Geburtstag des Propheten mit Wohltätigkeit, Freundlichkeit, dem Zeigen von Freude und Dekoration zu feiern… Der erste, der dies in Mosul tat, war Scheich Umar ibn Muhammad al-Mulla, einer der bekannten Rechtschaffenen, und ihm folgten der Herr von Erbil und andere.“[16]

Ibn Hajar, der es ebenfalls für zulässig hält, sagte: „Die ursprüngliche Praxis des Mawlid ist eine Neuerung, die von niemandem aus den rechtschaffenen Vorfahren der ersten drei Generationen überliefert wurde.“[17]

Kernargumente für die Zulässigkeit

Obwohl alle übereinstimmen, dass der Mawlid zur Zeit der Gefährten und der Nachfolger nicht gefeiert wurde, haben einige Gelehrte es für zulässig erklärt, darunter: Abu Shama,[18] Al-Sakhawi,[19] As-Suyuti, und Ibn Hajar[20]

1-As-Sakhawi sagte: „Wenn die Anhänger des Kreuzes die Geburtsnacht ihres Propheten als großen Feiertag betrachten, dann sind die Muslime noch mehr berechtigt, ihn zu ehren und zu würdigen.“[21]

2-Ibn Hajar sagte: „Es ist klar geworden, dass dies (der Mawlid) auf einer festen Grundlage beruht: Es ist das, was in den authentischen Hadith-Sammlungen (Sahihayn) festgehalten ist, dass der Prophet nach Medina kam und fand, dass die Juden den Tag von Aschura fasteten. Er fragte sie, und sie antworteten: ‘Es ist der Tag, an dem Allah den Pharao ertränkte und Moses rettete, also fasten wir ihn als Dank an Allah, den Allmächtigen.’ Daraus kann abgeleitet werden, dass man Allah für seine Wohltaten an einem bestimmten Tag danken sollte, sei es durch die Gewährung einer Gunst oder die Abwendung einer Strafe. Dies sollte jedes Jahr am selben Tag wiederholt werden. Der Dank an Allah kann durch verschiedene Arten der Anbetung erfolgen, wie Niederwerfung, Fasten, Almosen und Rezitation. Und welche Gunst ist größer als die Gunst der Erscheinung dieses Propheten, des Propheten der Barmherzigkeit, an diesem Tag? Daher sollte man genau diesen Tag suchen, um ihn mit der Geschichte von Moses am Tag von Aschura in Einklang zu bringen. Wer das nicht beachtet, sollte sich nicht darum kümmern, den Mawlid an irgendeinem Tag des Monats zu feiern. Einige Leute haben es sogar auf einen Tag im Jahr ausgeweitet, und das hat seine Schwächen. Dies ist das, was sich auf die Grundlage seiner Praxis bezieht.“[22]

3-Al-Suyuti vertrat die Ansicht, dass es auf einer anderen Grundlage beruht: „Es ist das, was Al-Bayhaqi von Anas berichtet hat: Dass der Prophet für sich selbst ein Aqiqah-Opfer nach seiner Prophetie durchführte, obwohl es berichtet wurde, dass sein Großvater Abdul-Muttalib bereits ein Aqiqah-Opfer für ihn am siebten Tag nach seiner Geburt durchgeführt hatte. Ein Aqiqah-Opfer wird normalerweise nicht wiederholt. Dies lässt sich so interpretieren, dass das, was der Prophet tat, eine Demonstration des Dankes an Allah für seine Erschaffung als Barmherzigkeit für die Welt und eine Gesetzgebung für seine Gemeinschaft war. So wie er auch für sich selbst betete, ist es auch für uns empfehlenswert, unseren Dank für seine Geburt durch Zusammenkünfte, Speisung von Nahrung und ähnliche Formen der Nähe zu Allah und der Freude zu zeigen“.[23]

4-Es ist authentisch überliefert, dass der Prophet montags und donnerstags fastete und dies damit begründete, dass er an diesen Tagen geboren wurde und die Offenbarung an ihm herabgesandt wurde. [24]

Dies sei ein Beweis dafür, dass der Prophet seinen Geburtstag feierte, daher sei es für uns erlaubt, dies ebenfalls zu tun.

Widerlegung der Argumente

1-Was As-Sakhawi erwähnt hat, könnte eher als ein Argument gegen die Zulässigkeit als für sie angesehen werden. Das liegt daran, dass seine Aussage ein klarer Text ist, der die Nachahmung der Menschen des Buches (Juden und Christen) betrifft, was etwas ist, von dem abgeraten wird. Deshalb hat Mulla Ali Al-Qari darauf geantwortet und gesagt: “Eines der Argumente gegen ihn ist, dass wir angewiesen sind, die Menschen des Buches nicht nachzuahmen.”[25] 

Wenn wir also angewiesen sind, die Menschen des Buches in ihren religiösen Ritualen nicht nachzuahmen, wie steht es dann mit den Dingen, die sie erfunden und eingeführt haben? Zweifellos ist es noch dringlicher und angemessener, diese zu vermeiden. 

2- Scheich Rashid Rida sagte in seiner Antwort auf das, was Ibn Hajar erwähnt hat:

„Was die Aussage des Hafiz betrifft, dass jemand, der gute Taten in ihm vollbringt und schlechte Taten vermeidet, eine gute Neuerung hat, und wer nicht, nicht: Dies ist diskutierbar. Mit ‘guten Taten’ meint er das Lesen des Korans, einige Aspekte der Biografie des Propheten von seiner Geburt, Erziehung und Sendung, und Almosen, die rechtmäßig sind und nicht als Neuerungen betrachtet werden. Die Neuerung besteht darin, dieses spezielle Treffen in einer speziellen Form und zu einer speziellen Zeit zu organisieren und es zu einer der Rituale des Islam zu machen, die nur durch den Text des Gesetzgebers bestätigt werden können. Dadurch denken die Laien und die Unwissenden in Bezug auf die Sunnah, dass es sich um eine gesetzlich vorgeschriebene Anbetung zu Allah handelt. Unter diesen Bedingungen ist es eine schlechte Neuerung und ein Verbrechen gegen die Religion Allahs, eine Ergänzung zu seiner Religion, für die er keine Erlaubnis gegeben hat, und eine Erfindung gegen Allah und das Sprechen über seine Religion ohne Wissen.“[26]

Er sagte auch:

„Die Aussage von Hafiz Ibn Hajar, dass die Feier des Geburtstags des Propheten (Mawlid) eine gute Neuerung ist, vorausgesetzt, sie ist frei von den üblichen Übeln und Sünden, ist nur dann gültig, wenn diejenigen, die sie organisieren, sie nicht als eine der festgelegten Anbetungen im islamischen Gesetz betrachten, so dass jemand, der sie vernachlässigt, als Ungläubiger oder Sünder oder als jemand, der etwas tut, das islamisch verpönt ist, betrachtet wird.“[27]

Dies ist jedoch diskutabel, da es schwierig ist zu sagen, dass diejenigen, die den Mawlid organisieren, ihn nicht als eine Näherung an Allah betrachten. Es ist unmöglich zu sagen, dass ein Muslim eine Feier veranstaltet, die mit dem Propheten verbunden ist, und nicht denkt, dass er sich dadurch Allah nähert. Tatsächlich ist die Absicht der Näherung an Allah notwendigerweise mit der Organisation des Mawlid verbunden und kann nicht davon getrennt werden.

3- Im Hadith von Aschura gibt es keinen Hinweis auf die Zulässigkeit der Feier des Geburtstags des Propheten (Mawlid). Vielmehr zeigt es, dass die Ehrung und Feier dieses Tages nur als eine Form der Näherung an Allah betrachtet werden sollte. Daher benötigt es einen spezifischen Beweis dafür. Selbst wenn wir annehmen würden, dass dieser Hadith als Grundlage für die Zulässigkeit der Feier des Mawlid dienen könnte, müsste man sich auf das beschränken, was im Hadith erwähnt wird, nämlich das Fasten.

Dieser Hadith ist auch ein Argument gegen diejenigen, die ihn aus einem anderen Blickwinkel als Beweis verwenden: Obwohl der Prophet seine Gefährten anwies, diesen Tag zu ehren und an ihm zu fasten, gab er ihnen keinen Befehl, den Tag seiner Geburt zu ehren oder an ihm zu fasten. Dieser Hadith zeigt daher, dass eine solche Ehrung als eine Form der Anbetung betrachtet wird, die einen bestätigenden Beweis benötigt.

4- Der Hadith „Das ist der Tag, an dem ich geboren wurde“ hat keine Implikationen für die Zulässigkeit der Geburtsfeier aus mehreren Gründen:

A- Der Prophet fastete an diesem Tag, daher sollte man sich nur auf das Fasten beschränken. Neue Anbetungen auf Basis von Analogien zu erfinden ist nicht gestattet.

B- Der Tag, den der Prophet zum Fasten ausgewählt hat, ist Montag, der jede Woche wiederkehrt, und nicht ein einziger Tag im Jahr. Wie kann es also erlaubt sein, über das hinaus zu gehen, was der Prophet in Bezug auf die Feier seiner Geburt festgelegt hat, und das Datum und den Zeitpunkt zu ändern?

C- Dieser Hadith ist ein Beweis dafür, dass der Prophet diese Bedeutung beachtet hat und dennoch diese Feier nicht eingeführt hat. Es ist daher ein Beweis für das Verbot, nicht für die Erlaubnis, da die Voraussetzung erfüllt ist und der Hinderungsgrund fehlt.

5- Die Argumentation mit dem Hadith, dass der Prophet für sich selbst eine Aqiqah abgehalten hat, ist aus mehreren Gründen ungültig:

A- As-Suyuti hat keinen Beweis dafür angeführt, dass sein Großvater Abdul-Muttalib für ihn am siebten Tag nach seiner Geburt ein Opferfest abgehalten hat, und wir haben niemanden gefunden, der dies erwähnt hat. As-Suyuti hat es in einer Formulierung erwähnt, die auf Schwäche hindeutet.

B- Die Tatsache, dass das Opferfest nicht wiederholt wird, ist ebenfalls eine Grundlage, die einen Beweis benötigt, nicht etwas, das als Beweis verwendet werden kann. Und selbst wenn es wahr wäre, was ist mit dem, was die Menschen der Unwissenheit getan haben?

C- Dieses Verständnis, das As-Suyuti aus der Aqiqah als Feier seiner Geburt ableitet, wer von den Gefährten oder den Rechtsgelehrten oder den Gelehrten der Sunnah hat dies vor ihm gesagt? Es  ist offensichtlich, dass dies sehr weit hergeholt ist.

D- Wenn es bewiesen ist, dass der Prophet ein Schaf als Dank an Allah für seine Schöpfung und Versorgung geschlachtet hat, folgt daraus, dass der Tag seiner Geburt ein Feiertag für die Menschen sein sollte? Warum hat der Gesandte Allahs die Menschen nicht dazu aufgerufen und ihnen klargemacht, was sie an diesem Tag in Worten und Taten tun sollten, so wie er es für die Feste des Fastenbrechens und des Opferfestes getan hat?

Weitere Gelehrte, die den Mawlid als verwerflich ansahen

Viele Gelehrte aus verschiedenen Regionen der islamischen Welt, aus unterschiedlichen Zeiten und rechtlichen Schulen, sprachen sich gegen die Feier des Mawlid, indem sie es als eine neu eingeführte Neuerung betrachten, die keinen Ursprung in der islamischen Tradition hat. Es ist also ein weitverbreitetes Missverständnis, dass nur eine bestimmte Gruppe den Mawlid ablehnt; in Wirklichkeit teilen andere Gelehrte diese Ansicht.

Einer der Gelehrten war Tāǧ al-Dīn al-Fākihānī (gest. 734 n. Chr.). Er sagte: „Ich kenne keine Grundlage für diesen Geburtstag im Buch oder in der Sunnah, und das Feiern dessen wird von keinem der Gelehrten der umma übermittelt, die Vorbilder in der Religion sind und an den Traditionen ihrer Vorgänger festhalten. Vielmehr handelt es sich um eine Neuerung, die von denjenigen hervorgebracht wurde, die sich irren.“[28]

Ibn al-Ḥāǧ al-Mālikī sagte, nachdem er eine Reihe von Übeln des Feierns vom mawlid erwähnt hatte: „Wenn auf diese Übel verzichtet wird und nur Essen zubereitet wird und man damit den mawlid meint, und die Glaubensbrüder dazu einlädt, und alles was eben erwähnt wurde nicht macht, so handelt es sich trotzdem um eine unerlaubte Erneuerung, nur wegen der Absicht (niyya) dazu. Da dies eine Hinzufügung zur Religion ist und nicht aus den Taten der frommen Altvorderen stammt und es angemessener ist, den Vorgängern zu folgen. Den frommen Altvorderen zu folgen ist mehr vorgeschrieben, als die Absicht zu einer angeblich gottesdienstlichen Handlung zu vermehren, die tatsächlich den Grundzügen der Religion widerspricht. Es ist wichtiger, den frommen Altvorderen zu folgen, weil sie die Menschen sind, die der Sunnah des Gesandten Allahs , am stärksten folgten. Sie haben Vorrang, wenn es darum ginge, die Initiative zu ergreifen. Und es wurde von keinem von ihnen berichtet, dass er das Feiern des mawlid beabsichtigte, und wir folgen ihnen.“[29]

Auflistung einiger Gelehrten, den den Mawlid ablehnten

  • Scheich al-Islam Ibn Taymiyya: Ein prominenter Gelehrter aus der Region Sham und ein unabhängiger Rechtsgelehrter. Siehe “Iqtida’ al-Sirat al-Mustaqim” (2/619) und “Majmu’ al-Fatawa” (1/312).
  • Taj al-Din Omar bin Ali al-Lakhmi al-Sakandari, bekannt als Al-Fakihani, verfasste eine Abhandlung mit dem Titel “Al-Mawrid fi al-Kalam ‘ala Amal al-Mawlid”. Er war ein malikitischer Gelehrter und starb 734 n. Chr. in Alexandria.
  • Abu Abdullah Muhammad al-Haffar: Seine Fatwas wurden von Al-Wansharisi in “Al-Mi’yar al-Mu’rab” erwähnt. Er war ein Gelehrter aus Marokko.
  • Ibn al-Hajj Abu Abdullah Muhammad bin Muhammad bin Muhammad al-Abdari al-Fasi al-Maliki: Er hat wertvolle Beiträge in “Al-Madkhal” am Anfang des zweiten Bandes.
  • Scheich Muhammad Bakhit al-Muti’i al-Hanafi: Er war der Mufti von Ägypten.
  • Scheich Ali Mahfouz: Autor von “Al-Ibda’ fi Madar al-Ibtida'”.
  • Imam al-Shatibi: Er hat wertvolle Fatwas in einem Buch, das unter dem Titel “Fatwa al-Imam al-Shatibi” veröffentlicht wurde. Er war ein malikitischer Gelehrter aus Andalusien.
  • Scheich Rashid Rida: Er hat sich an mehreren Stellen seiner Werke dazu geäußert, wie in “Al-Manar” (9/96), (2/74-76) (17/111) (29/664-668) und in seinen Fatwas (Band 5, Seite 2112-2115) und (Band 4, Seite 1242-1243).
  • Scheich Abu al-Tayyib Muhammad Shams al-Haqq al-Azimabadi: Ein Gelehrter aus Indien. Siehe die Abhandlung von Scheich Hamoud al-Tuwaijri, Seite 235, veröffentlicht in Al-Asima, in der Sammlung von Abhandlungen speziell zum Thema Mawlid.
  • Scheich Bashir al-Din al-Qanuji: Ein Gelehrter aus Indien und der Lehrer von Abu al-Tayyib. Siehe die vorherige Quelle.
  • Und viele weitere Gelehrte. Zeitgenössische Gelehrte wurden ausgelassen.

Diese Gelehrten, trotz ihrer unterschiedlichen Hintergründe und Schulen, waren sich in ihrer Ablehnung des Mawlid einig.

Fazit

Die Feier des prophetischen Geburtstags fand weder zur Zeit des Propheten noch seiner Gefährten statt und es gibt keinen gültigen Beweis für seine Zulässigkeit. Die Ehrung des Propheten erfolgt durch das Befolgen seiner Anleitung und das Einhalten seiner Sunnah. Dies ist ein Zeichen seiner Liebe. 

 

[1] Dies ist eine überarbeitete Übersetzung von mehreren Artikeln aus dem Arabischen.

[2] Siehe: Fatwa von Dr. ʿAlī Ǧumʿa auf der Internetseite des ägyptischen Fatwa-Amtes mit dem Titel „al-Iḥtifāl bil-Mawlid an-Nabawī wa-Mawālid Āl al-Bayt“, Datum: 31.06.2007.

[3] Siehe: Fatwa Dr. Šawqī ʿAlām auf der Internetseite des ägyptischen Fatwa-Amtes mit dem Titel „Mašrūʿīyyat al-Iḥtifāl bil-Mawlid an-Nabawī aš-Šarīf“ Nr. 13504 Datum: 01.12.2016.

[4] Von Buḫārī überliefert (2697) und Muslim (1718).

[5] Šarḥ an-Nawawī ʿalā Muslim (12/16).

[6] Qawāṭi ʿ al-Adilla von as-Samʿānī, (1/311) und siehe in der Frage der Schlussfolgerung des Unterlassens das Buch „at-Turūk an-Nabawīyya Taʾṣīlan wa-Taṭbīqan“ von Dr. Muḥammad Salāḥ al-Itribī.

[7] Iqtiḍāʾ aṣ-Ṣirāt al-Mustaqīm, Bnd. 2, S. 124.

[8] Überliefert von Abu Dawood (1/294/1134) und authentifiziert von Al-Albani.

[9] Iqtida’ al-Sirat al-Mustaqim (S. 252).

[10] Al-Fatawa al-Kubra (4/414).

[11] Al-Mawrid fi ‘Amal al-Mawlid, zitiert aus: Rasa’il fi Hukm al-Ihtifal bi al-Mawlid al-Nabawi (S. 8).

[12] Al-I’tisam (232, 318).

[13] Al-Madkhal (2/5).

[14] Al-Mawrid al-Rawi fi al-Mawlid al-Nabawi, zitiert aus dem Buch Rasa’il fi Hukm al-Ihtifal bi al-Mawlid al-Nabawi (S. 631).

[15] Majallat al-Manar (17/111).

[16] Al-Ba’ith ‘ala Inkar al-Bida’ wa al-Hawadith (S. 21).

[17] Al-Hawi li al-Fatawi (1/196).

[18] Al-Ba’ith ‘ala Inkar al-Bida’ wa al-Hawadith (S. 21).

[19] Al-Tibr al-Masbuk fi Dhail al-Suluk (S. 14), zitiert aus dem Buch Al-Qawl al-Fasl fi Hukm al-Ihtifal bi Mawlid Khair al-Rusul von Isma’il al-Ansari, veröffentlicht in Rasa’il fi Hukm al-Ihtifal bi al-Mawlid (S. 631).

[20] Al-Hawi li al-Fatawi (1/189), und für Al-Suyuti gibt es eine Abhandlung über den Mawlid mit dem Titel: Husn al-Maqsad fi ‘Amal al-Mawlid, veröffentlicht im Buch Al-Hawi.

[21] Al-Tibr al-Masbuk (S. 14), zitiert aus dem Buch Al-Qawl al-Fasl, veröffentlicht in Rasa’il fi Hukm al-Ihtifal bi al-Mawlid (S. 631).

[22] Al-Hawi li al-Fatawi (1/196).

[23] Al-Hawi li al-Fatawi (1/196).

[24] Überliefert von Muslim (2/819/1162).

[25] Al-Mawrid al-Rawi fi al-Mawlid al-Nabawi (S. 29): Rasa’il fi Hukm al-Ihtifal bi al-Mawlid (S. 631).

[26] Majallat al-Manar (29/665).

[27] Majallat al-Manar (29/666).

[28] al-Mawrid fī ʿAmal al-Mawlid, S. 9.

[29] Al-Madḫal von Ibn al-Ḥāǧ, Bnd. 2, S. 10.

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