Die Biografie des Imam Aḥmad. b. Ḥanbal (164-241)

Abstract

 

Dieser Artikel* handelt von Imam Aḥmad b. Ḥanbal, dem Imam der vierten bekannten sunnitischen Rechtsschule. Zum einen wird auf seine Abstammung und seine familiäre Situation eingegangen. Genauso werden seine physische Erscheinung und bestimmte Eigenschaften, wie seine intellektuellen Kompetenzen thematisiert. Darüber hinaus wird in erster Linie der islamische Bildungsweg von Imam Aḥmad, seine Relevanz für die islamische Gemeinde und die große Prüfung, die er zu Lebzeiten erlitt, behandelt.

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Sein Name und Stammbaum

Der vollständige Name von Imam Aḥmad lautet Aḥmad b. Ḥanbal b. Hilāl b. Asad b. Idrīs aš-Šaibānī. Er zählt zu den großen sunnitischen Gelehrten. Seine Kunya ist Abū ʿAbdallāh.[1]

Die Geburt von Imam Aḥmad

Aḥmad b. Ḥanbal wurde im Jahr 164 im islamischen Monat rabīʿ al-awwal in Bagdad geboren. Sein Vater verstarb bereits in jungen Jahren, als er ungefähr dreißig war. Imam Aḥmad wuchs folglich als Halbwaise auf, seine Mutter erzog ihn alleine.[2]

Seine Frauen und Kinder

Über Imam Aḥmads erste Ehe ist überliefert, dass er erst nach seinem vierzigsten Lebensjahr heiratete. Seine erste Ehefrau hieß ʿAbbāsa bt. al-Faḍl und er war zwanzig Jahre mit ihr verheiratet, bis sie verstarb. Sie gebar ihm einen Sohn namens Ṣāliḥ. Nach ihr heiratete er Raiḥāna, die ihm seinen Sohn ʿAbdallāh gebar. Er lebte mit seiner zweiten Ehefrau sieben Jahre zusammen, bis auch sie verstarb. Nach Raiḥānas Ableben lebte der Imam Aḥmad mit seine Sklavin namens Ḥusn. Diese gebar ihm eine Tochter namens ʿUmm ʿAlī Zainab und Zwillinge namens al-Ḥasan und al-Ḥusain. Die Zwillinge starben kurz nach der Geburt. Dann wurden al-Ḥasan und Muḥammad geboren. Auch sie starben kurz nach der Geburt. Danach wurde fünfzig Tage vor dem Tod von Imam Aḥmad sein Sohn Saʿīd geboren, der zum Faqih aufwuchs und vor seinem Bruder ʿAbdullāh starb.[3]

Das äußere Erscheinungsbild von Imam Aḥmad

Über die physische Erscheinung von Imam Aḥmad sagte ʿAbd al-Malik b. ʿAbd al-Ḥamīd al-Maimūnī (gest. 274/887), dass er niemanden gesehen habe, dessen Kleidung sauberer war oder der mehr auf sein Äußeres bedacht war als Imam Aḥmad.[4]

Imam Aḥmads Streben nach Wissen

Hinsichtlich des islamischen Bildungsweges von Imam Aḥmad ist bekannt, dass er im Alter von fünfzehn Jahren begann, nach islamischem Wissen zu streben. Er reiste durch das Land und wohnte den islamischen Unterrichten der Gelehrten seiner Zeit bei und wurde von diesen Gelehrten respektiert und geehrt.[5]

Seine Merkfähigkeit

ʿAbdallāh b. Aḥmad (gest. 290/903) sagte, dass er von Abū Zurʿa erfuhr, dass sein Vater eine Million Hadithe auswendig beherrsche. Er fragte Abū Zurʿa daraufhin, woher er dies wisse und dieser entgegnete, dass er mit seinem Vater verschiedene Themen wiederholt habe. Dabei offenbarte sich ihm sein Ausmaß an Wissen von Überlieferungen.

Imam aḏ-Ḏahabī stufte diese Überlieferung über das umfangreiche Wissen von Abū ʿAbdallāh als authentisch ein. Er erklärte weiterhin, dass damals Wiederholungen, Überlieferungen von den Prophetengefährten, die Fatwas von der dritten Generation (tābiʿīn), und die Erklärungen davon zu der Textsorte „Hadith“ zählten. So sei die immense Zahlenangabe von „eine Million“ zu erklären. Zuletzt stellt aḏ-Ḏahabī fest, dass die authentischen Hadithe über den Gesandten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nicht einmal ein Zehntel dieser Zahl erreichen würden.[6]

Darüber hinaus überliefert Imam Aḥmads Sohn ʿAbdallāh b. Aḥmad, dass sein Vater ihn eines Tages aufforderte, ein Buch von den muṣannaf-Werke von Wakīʿ zu nehmen und ihm entweder den Überlieferungstext oder die Überlieferungskette aufzusagen. Er selbst würde dann das jeweils fehlende, d.h. die entsprechende Kette oder den Text, aus dem Gedächtnis ergänzen.[7] Auch gab ʿAlī b. al-Madīnī (gest. 234/849) an, dass keiner von den Gefährten ein besseres Gedächtnis als Imam Aḥmad gehabt habe.[8]

Abū Zurʿa (gest. 264/878) überliefert, dass er an Imam Aḥmads Todestag seine Bücher geschätzt habe, und es ungefähr zwölf vollbeladene Kamele waren. Es gab weder am Titel des Buches noch im Inneren zusätzliche Anmerkungen, wie z.B. „diese Person hat jenes überliefert“, da er alle Informationen auswendig beherrschte.[9] Zuletzt erzählt in dieser Angelegenheit ʿAbdallāh b. Aḥmad, dass sein Vater die Bücher von Kadi Abū Yūsuf und Muḥammad b. al-Ḥasan aš-Šaibānī[10] aufgeschrieben habe und sie auswendig beherrschte.[11]

Die Werke von Imam Aḥmad

Die folgenden Werke stammen von Imam Aḥmad:

  1. Kitāb al-ʿIlal
  2. Kitāb an-Nāsiẖ wa al-Mansūḫ
  3. Kitāb az-Zuhd
  4. Kitāb al-Masāʾil
  5. Kitāb al-Faḍāʾil
  6. Kitāb al-Farāʾiḍ
  7. Kitāb al-Manāsik
  8. Kitāb al-Īmān
  9. Kitāb al-Ašriba
  10. Kitāb Ṭāʿatu ar-Rasūl
  11. Kitāb ar-Rad ʿalā al-Ǧahmīya
  12. al-Musnad.[12]

Der Musnad von Imam Aḥmad

Zu den wichtigsten Hadithwerke, die der Imam Aḥmad schrieb, gehört das musnad-Werk.

Ein musnad ist eine Art Hadithsammlung, in dem alle Hadithe von einem Gefährten, unabhängig von der Thematik, an einem Ort separat zusammengefasst werden. Diese Zusammenstellung der Überlieferungen geschieht ungeachtet des Authentizitätsgrades der Hadithe.

Imam Aḥmad begann mit dem Verfassen seines Musnads, als er von einer Reise zu seinem Scheich ʿAbd ar-Razzāq b. Hammām, ein bekannter Hadithgelehrter aus dem Jemen, im Jahr 200 AH zurückgekehrt war. Bei seiner Rückkehr war Imam Aḥmad 36 Jahre alt. Inhaltlich betrachtet lässt sich feststellen, dass der Musnad von Imam Aḥmad circa 30.000 Hadithe enthält, die er von insgesamt 283 Scheichs überliefert hat.

Ḥanbal b. Isḥāq (gest. 273/886) überliefert, dass Imam Aḥmad b. Ḥanbal ihm, Ṣāliḥ und ʿAbdallāh seinen Musnad einmal vorgelesen hat ohne dass ein anderer dabei war. Zusätzlich berichtet Ḥanbal b. Isḥāq, dass Imam Aḥmad gesagt hat, dass er die Hadithe in diesem Buch aus mehr als 750.000 Hadithen ausgewählt habe. Weiterhin erklärte er, wenn die Muslime in Bezug auf die Hadithe des Gesandten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, eine Meinungsverschiedenheit haben, dann sollen sie sich an dieses Buch wenden. Wenn der entsprechende Hadith im Musnad gefunden werden kann, dann gilt er als Beweismittel. Sollte das Gegenteil eintreten, dann kann die Überlieferung nicht als Beweismittel verwendet werden.[13]

Imam Aḥmads Anbetung

Imam Aḥmad gab selber an, dass er fünf Mal die große Pilgerfahrt gemacht habe; drei davon habe er zu Fuß erledigt. Bei einer Pilgerfahrt habe er laut eigener Aussage nur dreißig dirham ausgegeben.[14]

Des Weiteren berichtet sein Sohn ʿAbdallāh b. Aḥmad, dass sein Vater sich die meiste Zeit von den Menschen abschottete. Er wurde ausschließlich in der Moschee, bei einer Beerdigung oder beim Besuch eines Kranken gesehen. Er mochte es nicht, sich auf den Märkten aufzuhalten. Auch erzählte sein Sohn, dass sein Vater jeden Tag und jede Nacht dreihundert Gebetseinheiten betete. Als er von den Peitschenhieben[15] krank und schwach wurde, betete er jeden Tag und jede Nacht hundertfünfzig Gebetseinheiten. Auch als er auf die Achtzig zuging, las er jeden Tag ein Siebtel des Korans, sodass er ihn in sieben Tagen beendete. Und jede siebte Nacht las er den gesamten Koran durch. Er beendete den Koran am Ende der Nacht, schlief für eine Weile, betete das Frühgebet und machte dann Bittgebete.[16]

Sein Sohn Ṣāliḥ berichtet, dass sein Vater teilweise ununterbrochen fastete. Danach beendete er sein Fasten für eine gewisse Zeit. Er fastete immer montags, donnerstags und die drei weißen Tage eines jeden Monats. Nachdem er von der Haft zurückkam, fastete er ununterbrochen, bis er starb.[17]

Auch überliefert Abū Bakr al-Marrūḏī (gest. 275/888) über die Anbetung von Imam Aḥmad. Er berichtet, dass er ihn gegen Mitternacht zum Nachtgebet aufstehen sah. Er betete bis kurz vor der Morgendämmerung. Auch sah er ihn zwischen dem Abend- und dem Nachtgebet beten.[18] Ebenso erzählt er davon, dass er mit dem Imam vier Monate in Haft verbracht hatte. Auch dort pflegte er es, nachts zu beten und am Tag den Koran zu rezitieren.[19]

Die Charaktereigenschaften von Imam Aḥmad

Über die Charaktereigenschaften berichtet Abū Bakr al-Marrūḏī, dass Imam Aḥmad keine unüberlegten Taten unternahm und er stets vergebend reagierte, wenn sich jemand ihm gegenüber unbedacht verhalten hatte. Er ertrug dieses Verhalten und sprach lediglich „Allah ist Genüge.” Darüber hinaus berichtet Abū Bakr al-Marrūḏī über den Charakter von Imam Aḥmad, dass er sich niemals boshaft verhielt oder unhöflich war. Er war immer sehr bescheiden, sanftmütig und gut gelaunt. Insgesamt hatte er einen außerordentlich guten Charakter. Wenn es jedoch um religiöse Angelegenheiten ging, wurde er sehr zornig, wenn die Grenzen Allahs überschritten wurden.[20]

Es wird auch berichtet, dass zu seinen Sitzungen circa fünftausend oder mehr Menschen erschienen. Fünfhundert von ihnen folgten den Unterrichten und die anderen kamen, um von ihm gute Manieren und Benehmen zu lernen.[21] Dies wird von Abū Bakr b. al-Muṭawwiʿī (gest. 287/900) bestätigt, welcher sagte: „Zwölf Jahre lang ging ich zu den Sitzungen von Abū ʿAbdallāh, während er seinen Kindern seinen Musnad vorlas. Ich habe keinen einzigen Hadith von ihm geschrieben, ich ging nur dorthin, um seine Art und sein Benehmen zu beobachten.“[22]

Ibn al-Munādī überliefert von seinem Großvater Abū Ǧaʿfar, dass der Imam Aḥmad zu den schamhaftesten und ehrenhaftesten Menschen gehörte. Er sei der beste im Benehmen gewesen und habe oft geschwiegen. Er pflegte stets, prophetische Überlieferungen zu nennen, die rechtschaffenen Prophetengefährten zu erwähnen oder gute Worte zu sprechen. Wenn ihm jemand begegnete, lächelte er diesen an und näherte sich ihm. Er war sehr bescheiden gegenüber den Gelehrten und wurde von ihnen geehrt. Seine Bescheidenheit und Verehrung gegenüber Yaḥyā b. Maʿīn war größer als zu allen anderen. Yaḥyā war sieben Jahre älter als er.[23]

Imam Aḥmads Loyalität gegenüber seinen Lehrern

Bezüglich der Loyalität von Imam Aḥmad gegenüber seinen Lehrern sagte der Richter Muḥammad b. Muḥammad b. Idrīs aš-Šāfʿī, dass der Imam Aḥmad zu ihm gesprochen habe: „Dein Vater ist einer von sechs Menschen, für die ich noch vor der Morgendämmerung Bittgebete mache.”[24]

Die Verehrung gegenüber Imam Aḥmad

Über den Respekt, welcher Imam Aḥmad von anderen gegenüber gebracht wurde, sagte Abū ʿUbaid al-Qāsim b. Sallām (gest. 224/838), dass er mit Abū Yūsuf, Muḥammad b. al-Ḥasan, Yaḥyā b. Saʿīd und ʿAbd ar-Raḥmān b. Mahdī zusammensaß und er niemanden von diesen Personen so geehrt habe, wie er Aḥmad b. Ḥanbal geehrt hatte. Er betrat eines Tages das Gefängnis, um ihn zu grüßen, während ein anderer Mann ihn über eine Angelegenheit befragte. ʿUbaid al-Qāsim antwortete ihm jedoch aus Ehre zu Imam Aḥmad nicht.[25]

Imam Aḥmads Wehrdienst

ʿAbdallāh b. Aḥmad sagte: Mein Vater reiste nach Ṭarsūs[26] und war dort stationiert und nahm dort an dem Feldzug teil. Dann sagte er zu mir: „Ich sah, wie das Wissen dort starb.”[27]

Imam Aḥmads Wundertat

ʿAlī b. Abī Fazāra berichtet, dass seine Mutter circa zwanzig Jahre lang gelähmt war. Eines Tages forderte sie ihm dazu auf, zu Aḥmad b. Ḥanbal zu gehen und ihn darum zu bitten, Allah für sie anzuflehen. Er ging also zu ihm und berichtete ihm, worum seine Mutter ihn gebeten hatte. Daraufhin reagierte Imam Aḥmad böse und sagte, dass er es eher nötig habe, dass jemand für ihn Bittgebete mache. Danach trat eine alte Frau aus seinem Haus und fragte ihn, ob er derjenige sei, der soeben mit Imam Aḥmad gesprochen habe. ʿAlī b. Abī Fazāra bestätigte dies, woraufhin die alte Frau entgegnete, dass er Allah anflehte, als sie ihn gerade verlassen habe. Als ʿAlī b. Abī Fazāra nach Hause kam, fand er seine Mutter vor, wie sie ihm auf beiden Beinen gehend die Tür aufmachte. Sie sprach: „Allah hat mir das Wohlbefinden geschenkt.”[28]

Imam Aḥmad b. Ḥanbal sagte, dass zwei seiner Bittgebete eindeutig angenommen wurden: Er habe Allah darum gebeten, ihn nicht mit al-Maʾmūn[29] zu vereinen, und er habe ihn ebenso darum gebeten, ihn nicht al-Mutawakkil[30] sehen zu lassen. Er habe al-Maʾmūn nicht gesehen, da er starb und Imam Aḥmad selber in Rakka in Syrien gefangen blieb, bis al-Muʿtaṣim nach dem Tod seines Bruders zum Herrscher ernannt wurde. Al-Muʿtaṣim schickte Aḥmad danach zurück nach Bagdad. Und was al-Mutawakkil betrifft, so hat er Aḥmad viel gelobt und sich danach gesehnt, sich mit ihm zusammenzusetzen. Als Aḥmad das Haus des Kalifen in Samarra im Irak besuchte, um mit dem Sohn von al-Mutawakkil zu sprechen und ihm Allahs Segen zu wünschen, saß al-Mutawakkil in einem Gebüsch, damit er und seine Mutter vom Gebüsch aus Aḥmad sehen konnten. Imam Aḥmad sah ihn jedoch selber nicht. Somit wurden diese beiden Bittgebete erfüllt.[31]

Seine Weigerung Kadi zu werden

Aš-Šāfʿī teilte Aḥmad b. Ḥanbal mit, dass der Befehlshaber ihn darum gebeten habe, ihm einen Kadi für den Jemen zu finden und dass er zu ʿAbd ar-Razzāq gehen solle. Imam Aḥmad entgegnete jedoch nur, dass aš-Šāfʿī ihn niemals wiedersehen würde, wenn er mit solch einem Anliegen erneut bei ihm erschiene. Zu diesem Zeitpunkt war Imam Aḥmad 27 oder 30 Jahre alt.[32]

Die Askese und Frömmigkeit von Imam Aḥmad

Der Sohn Ṣāliḥ überliefert, dass er seinen Vater einmal zur Zeit von dem Kalifen al-Wāṯiq besuchte und nur Allah weiß in welchem Zustand der Armut wir in diesem Zeitpunkt waren. Sein Vater ging hinaus, um das Nachmittagsgebet zu verrichten. Er hatte einen Lederteppich, worauf er saß, jedoch war dieser in den vielen Jahren zerfallen. Unter dem Teppich befand sich ein Brief, in dem stand: „Es ist mir zu Ohren gekommen, Oh Abū ʿAbdallāh, in welcher Lage der Armut und vielen Schulden du dich befindest. Ich habe dir viertausend dirham geschickt, mit denen du deine Schulden begleichen kannst und die du für deine Kinder ausgeben kannst. Das Geld ist weder Zakat noch Almosen, sondern nur Geld, welches ich von meinem Vater geerbt habe.” Sein Sohn Ṣāliḥ las den Brief und legte ihn zurück. Als Imam Aḥmad vom Gebet zurückkam, fragte sein Sohn ihn nach dem Brief. Sein Vater wurde zuerst rot im Gesicht und sagte, dass er den Brief versteckt hatte. Er forderte daraufhin seinen Sohn auf, die Antwort darauf zu überbringen. Imam Aḥmad schrieb zu dem Mann, der ihm das Geld gegeben hatte, folgendes: „Mit dem Namen Allah, des Gnädigen, des Barmherzigen. Dein Brief ist bei mir angekommen, während wir in Wohlbefinden sind. Bezüglich der Schulden, so sind sie für einen Mann, der uns nicht deswegen belastet und bezüglich unserer Kinder, so sind sie in Allahs Gnaden und das Lob gebührt Allah.” Ṣāliḥ b. Aḥmad ging mit dem Brief zum Mann, der von dem anderen Mann den Brief überbracht hatte. Dieser sagte: „Wehe dir! Hätte Abū ʿAbdallāh das Geld genommen und es zum Beispiel in den (Fluss) Tigris geworfen, so wäre er dafür belohnt worden, da es nicht bekannt ist, dass er (der Befehlshaber) Gutes getan hat.” Nach einer Weile antwortete der Mann mit der gleichen Nachricht und ihm wurde die gleiche Antwort geschickt. Nach ungefähr einem Jahr erinnerten sie sich an die Angelegenheit und er sagte: „Hätten wir das Geld damals angenommen, wäre es jetzt weg.”[33]

Muḥammad b. Mūsā b. Ḥammād az-Zaidī erzählte, dass hunderttausend dīnār zu al-Ḥasan b. ʿAbd al-ʿAzīz al-Ḥarawī von seinem Erbe aus Ägypten geschickt wurden. Drei Taschen davon wurden Aḥmad b. Ḥanbal geschickt. In jeder Tasche befanden sich tausend dīnār. Al-Ḥasan sagte zu Imam Aḥmad, dass dies sein rechtmäßiges Erbe sei. Weiterhin forderte er ihn dazu auf, es anzunehmen und für seine Familie auszugeben. Imam Aḥmad erklärte jedoch, dass er das Erbe nicht benötige und dass ihm sein derzeitiger Wohlstand genüge. Er lehnte es folglich ab und nahm davon nichts.[34]

Al-Marrūḏī (gest. 288/888) berichtet, wenn Abū ʿAbdallāh sich an den Tod erinnerte, es so war als würde ihn eine Nadel ersticken. Er pflegte immer zu sagen, dass die Angst ihn daran hindert zu essen und zu trinken. Wenn er sich an den Tod erinnere, würde alles in dieser Welt für ihn verachtenswert werden. Das Essen dieses Diesseits sei nur ein geringeres Essen und die Kleidung dieses Diesseits sei nur eine geringere Kleidung. Das Diesseits sei nur einige kurze Tage lang. Weiterhin sagte Imam Aḥmad, dass er der Armut nichts gleichstelle und wenn er in der Lage wäre, würde er hinausgehen, damit man ihn gar nicht erwähnt. Und er sagte ebenso: „Ich will in einem Bezirk in Mekka sein, damit man mich nicht kennt. Ich wurde mit dem Ruhm geprüft und morgens und abends wünsche ich mir den Tod.”[35]

Eines Tages fragte Al-Marrūḏī den Imam Aḥmad danach, wie er aufgewacht sei. Dieser erwiderte, wie denn derjenige aufwacht, dessen Herrn ihn aufgefordert hat, seine Verpflichtungen zu erfüllen, sein Prophet ihn aufgefordert hat, seine Sunna zu folgen und seine zwei Engel ihn aufgefordert haben, bessere Taten zu verrichten. Des Weiteren sagte Imam Aḥmad, dass seine Seele ihn zu Gelüsten ruft und Iblīs zu Sittenlosigkeiten, während ihn der Todesengel beobachtet, um ihm seine Seele zu entnehmen und seine Familie ihn um Unterhalt bittet.[36] Darüber hinaus sagte al-Marrūḏī, dass Aḥmad ihm erklärte, dass er keinen Hadith aufgeschrieben habe, ohne danach zu handeln. So wurde ihm eines Tages ein Hadith übermittelt, dass der Gesandte, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sich schröpfen ließ und dem Schröpfer einen dīnār gab. Also gab Imam Aḥmad dem Schröpfer ebenso einen dīnār als er sich schröpfen ließ.[37]

Ein weiterer Hinweis auf die edle Wesensart des Imam Aḥmad verbirgt sich in der Erzählung von Isḥāq b. Rāhūya (gest. 238/853). Dieser sagte, dass Aḥmad sein Geld ausging, als er sich auf dem Weg zu ʿAbd ar-Razzāq befand. Also bot er sich selbst einigen Kamelreitern bis Sanaa als Diener an. Einigen seiner Gefährten hatten ihm Spenden angeboten, jedoch hat er sie nicht angenommen.[38]

Abū Dāwūd as-Siǧstānī (gest. 275/889) sagte, dass die Sitzungen von Aḥmad b. Ḥanbal Versammlungen zur Erinnerung des Jenseits waren. Nichts von den Angelegenheiten des Diesseits wurde erwähnt. Er sagte, dass er Aḥmad b. Ḥanbal generell nie eine Angelegenheit des Diesseits erwähnen sehen hat.[39] Darüber hinaus wird überliefert, dass Imam Aḥmad nie hinter seinem Onkel Isḥāq b. Ḥanbal oder seinen Kindern gebetet habe, und nicht mit ihnen gesprochen habe, da sie die Geschenke des Herrschers annahmen.[40]

Zusätzlich wurde berichtet, dass er mal drei Tage verblieb, ohne etwas zum Essen zu finden. Schlussendlich lieh er von einem seiner Freunde Mehl aus und so wusste seine Familie, dass er Bedarf an Nahrung hatte. Sie eilten und bereitete schnell Brot für ihn zu. Er sagte daraufhin: „Was ist diese Eile? Wie habt ihr so schnell Brot machen können?” Sie sagten: „Der Backofen von Ṣāliḥ war schon angezündet, also nutzten wir ihn, um Brot zu backen.” Er forderte seine Familie daraufhin auf, das Brot wieder abzuräumen. Er aß nicht von dem Brot und befahl ihnen, die Tür, die zum Haus von Ṣāliḥ führte, zu schließen, da Ṣāliḥ ein Geschenk von dem Befehlshaber al-Mutawakkil[41] angenommen hatte.[42]

Al-Baihaqī (gest. 470/1066) sagte: „Der Kalif schickte Aḥmad viel von seinem Essen, jedoch aß Aḥmad nichts davon.“[43] Er sagte ebenso: „Eines Tages schickte der Kalif al-Maʾmūn Gold, damit dies unter den Gelehrten des Hadiths aufgeteilt wird. Alle Gelehrten nahmen das Gold, außer Ahmad, er weigerte sich.“[44]

Aḥmad b. Manṣūr ar-Ramādī (gest. 265/879) berichtet, dass er ʿAbd ar-Razzāq hörte, wie er Aḥmad erwähnte und währenddessen Tränen in seine Augen kamen. Er erzählte, dass Imam Aḥmad zu ihm kam und ihm mitteilte, dass ihm das Geld ausging. ʿAbd ar-Razzāq nahm zehn dīnār und bot sie ihm an. Doch Imam Aḥmad lächelte und sprach: „Abū Bakr, wenn ich von jemandem Geld annehmen würde, dann würde ich es von dir annehmen.” Er nahm jedoch nichts von ihm an.[45]

Das Lob der Gelehrten über Imam Aḥmad

In der Folge werden einige Aussprüche der islamischen Gelehrten über Imam Aḥmad aufgeführt. Aš-Šāfʿī sagte über ihn, dass er in Bagdad niemanden sah, der besser oder wissender war, oder mehr Fiqh-Verständnis hatte und gottesfürchtiger war als Aḥmad b. Ḥanbal.[46] Er forderte ihn ebenso dazu auf, ihm von Hadithen, die seiner Meinung nach authentisch seien, zu berichten, damit er sie als Grundlage für seine islamrechtlichen Haltungen und als Beweismittel nehmen könne, da Imam Aḥmad sich mit den authentischen Überlieferungen besser auskannte als er selber.[47]

Auch Ibrāhīm al-Ḥarbī (gest. 198/814) sagte über das umfangreiche Wissen vom Imam Aḥmad: „Ich sah Aḥmad b. Ḥanbal und es erscheint so, als hätte Allah ihm das Wissen der Vorfahren und Nachfahren aller Art versammelt und er nimmt davon, was er will und lässt davon, was er will.[48]

Und Isḥāq b. Rāhūya sagte über die Stellung des Imam Aḥmad: „Aḥmad ist Allahs ḥuǧǧa[49] zwischen ihm und sein Dienern.“[50]

Auch äußerte sich ʿAbd ar-Razzāq b. Hammām über die Versiertheit des Imam Aḥmad im Bereich des Fiqh: „Ich habe niemanden gesehen, der ein besseres Fiqh-Verständnis besaß oder frommer war als Aḥmad b. Ḥanbal.“[51]

Und Yaḥyā b. Ādam (gest. 203/819) bestätigte: „Aḥmad b. Ḥanbal ist unser Imam.“[52]

Mit der folgenden Aussage von ʿAmr an-Nāqid (gest. 202/818) wird die Relevanz von Imam Aḥmad für die damalige muslimische Gemeinde im Bereich der Hadithe hervorgehoben: „Wenn Aḥmad b. Ḥanbal mir bei einem Hadith zustimmt, ist es mir egal, wer mir widerspricht.“[53]

Ibn Abī Ḥātim berichtet, dass er seinen Vater über ʿAlī b. al-Madīnī und Aḥmad b. Ḥanbal befragte. Er erkundigte sich, welcher von den beiden ein besseres Erinnerungsvermögen besäße. Sein Vater erwiderte, dass beide in diesem Bereich etwa gleichauf seien, dass Aḥmad jedoch ein besseres Fiqh-Verständnis besäße. Schlussendlich sagte sein Vater, wenn er eine Person sähe, die Aḥmad liebt, so könne er sich dessen gewiss sein, dass diese Person der Sunna folge.[54]

Darüber hinaus sprach Muḥammad b. Yaḥyā āḏ-Ḏuhalī (gest. 258/872) über Imam Aḥmad: „Ich habe Aḥmad als Imam, dem ich folge, um die Wahrheit zu erkennen, zwischen mir und Allah gemacht.“[55]

Abū ʿAmr b. an-Nuḥās (gest. 416/1025) erwähnte Imam Aḥmad bei einer Gelegenheit und äußerte seine Bewunderung dafür, wie viel Wissen er in der Religion besaß. Ebenso gab er sein Erstaunen über seine Geduld im Diesseits und seine Ähnlichkeit mit den rechtschaffenen Vorfahren bekannt und über den Umstand, dass sich das Diesseits ihm anbot, er dieses jedoch bestimmt ablehnte und sich von Erneuerungen in der Religion fernhielt.[56]

ʿAlī b. al-Madīnī sagte: „Allah hat die Religion zu Zeiten, wo die Menschen vom Glauben abfielen, mit Abū Bakr geehrt und zu Zeiten, wo über die Erschaffenheit des Korans irrführende Haltungen verbreitet wurden, die Religion mit Aḥmad geehrt.[57]

Darüber hinaus beschrieb auch Yaḥyā b. Maʿīn (gest. 233/847) Imam Aḥmad mit den besten Eigenschaften. Er sagte: „Aḥmad b. Ḥanbal hatte Eigenschaften, die ich bei keinem anderen Gelehrten gesehen habe. Er war ein muḥaddiṯ (Hadith-Gelehrte), ḥāfiẓ (Eine Stufe in der Hadithwissenschaft), ʿālim (Gelehrter), wariʿ (fromm/enthaltsam), zāhid (Asket) und ʿāqil (intelligent).[58]

Qutaiba (gest. 240/855) sagte, dass der beste Mensch der damaligen Zeit nach Ibn al-Mubārak (gest. 181/797) Aḥmad b. Ḥanbal war und ihn zu lieben, Teil der prophetischen Sunna sei. Er sagte weiterhin: „Wäre es nicht für aṯ-Ṯawrī, gäbe es die Frömmigkeit nicht mehr. Wäre es nicht für Aḥmad, hätten sie in die Religion Neuerungen eingeführt. Aḥmad ist der Imam des Diesseits.[59]

Über die Einzigartigkeit von Imam Aḥmad sagte Wakīʿ b. al-Ǧarrāḥ (gest. 196/812): „Niemand wie Aḥmad b. Ḥanbal ist nach Kufa gekommen.“[60]

Und auch Abū ʿĀṣim an-Nabīl (gest. 212/828) sprach in diesem Kontext: „Wir haben niemanden gesehen, der so ist wie Aḥmad b. Ḥanbal.“[61]

Die Prüfung und Folter des Imam Aḥmads

Der bekannte Gelehrte und Historiker Ibn. Kaṯīr (gest. 774/1373) schildert die Prüfung von Imam Aḥmad anhand folgender (ausgewählten) Berichte:

„Einige Angehörige der Mutaziliten ließen sich bei dem Kalifen al-Maʾmūn nieder und beeinflussten ihn mit ihren Ansichten. Sie ließen ihn vom Weg der Wahrheit zur Falschheit abweichen, sodass er ihre Meinung über die Erschaffenheit des Korans und die Verleugnung der Eigenschaften Allahs schlussendlich übernahm.

Al-Baihaqī sagte: „Alle Kalifen vor al-Maʾmūn folgten dem Weg der frommen Altvorderen, ungeachtet dessen, ob sie von den Umayyaden oder Abbasiden stammten. Als al-Maʾmūn jedoch zum Kalifen ernannt wurde, versammelten sie sich (die Neuerer) um ihn und er übernahm ihre Meinungen. Es wird ebenso berichtet, dass er an seinen Stellvertreter in Bagdad Isḥāq b. Ibrāhīm b. Muṣʿab schrieb, als er sich auf dem Weg nach Ṭarsūs[62] befand, um die Römer zu bekämpfen, und dass er ihm aufgetragen habe, die Gelehrten zu dieser Meinung zu rufen. Dies soll wenige Monate vor seinem Tod im Jahr 218 AH geschehen sein.

Als ihn dieser Brief erreichte, rief er eine Gruppe von den Hadithgelehrten zu sich und forderte sie dazu auf, die Erschaffenheit des Korans zu bestätigen, jedoch weigerten sie sich. Er bedrohte sie deswegen mit Folter und damit, ihnen ihren Lebensunterhalt wegzunehmen. Viele von ihnen antworteten danach widerwillig und bestätigten die Erschaffenheit des Korans, jedoch weigerten sich Imam Aḥmad und Abū al-Ḥasan Muḥammad b. Nūḥ al-Ǧundīsābūrī. Sie wurden auf Befehl des Kalifen angekettet und auf einem Reittier zu ihm gebracht. Als sie aber unterwegs in der Wüste waren, kam ein Beduine namens Ǧābir b. ʿĀmir, der für seine Gottesdienste bekannt war, grüßte Imam Aḥmad und sprach: „O du! Du bist der wāfid[63] der Menschen. Stelle also kein Pech für sie dar. Du bist heute der Kopf der Menschen. Also wehe dir, dass du ihren Ruf zu dieser Aussage (Erschaffenheit des Koran) erwiderst und die Menschen dies deswegen auch erwidern. Wenn du Allah liebst, dann gedulde dich auf diesem Weg, worauf du jetzt bist, denn zwischen dir und dem Paradies liegt deine Ermordung. Auch wenn sie dich nicht umbringen, stirbst du, und wenn du lebst, lebst du ein ehrenvolles Leben.” Imam Aḥmad sagte: „Diese Worte haben mich dazu angespornt, weiterhin die Bestätigung dieser Aussage zu verweigern.“

Als sie sich der Armee von al-Maʾmūn näherten, verharrten sie für eine Weile und ein Diener kam, der sich seine Tränen mit dem Saum seiner Kleidung abwischte und sprach: „Abū ʿAbdullāh! Es fällt mir schwer dies zu sagen, jedoch hat al-Maʾmūn sein Schwert gezogen, welches er davor nicht gezogen hatte, und er hat einen Lederteppich ausgebreitet, welchen er davor nicht ausgebreitet hatte und er hat auf seine Verwandtschaft mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden, geschworen, dich mit dem Schwert umzubringen, wenn du ihm nicht seine Aussage, dass der Koran erschaffen sei, zustimmst.”

Danach warf sich der Imam Aḥmad auf die Knie, blickte in den Himmel und sprach: „Mein Herr! Deine Gnade hat diesen Narren getäuscht, bis sie ihn dazu brachte, deine Anhänger mit Schlägen und drohender Ermordung zu tyrannisieren. Oh Allah! Wenn deine Worte nicht erschaffen sind, dann beschütze uns vor ihm.” Danach erhielten sie die Nachricht, dass al-Maʾmūn im letzten Drittel der Nacht verstorben sei. Als er diese Nachricht erhalten hatte, freute sich Imam Aḥmad.

Der Imam Aḥmad berichtet: „Dann wurde aber berichtet, dass al-Muʿtaṣim zum Kalifen ernannt wurde und dass Aḥmad b. Abī Duʾād[64] sich ihm angeschlossen hatte. Die Angelegenheit wurde somit sehr ernst. Im Anschluss daran wurden wir mit anderen Gefangenen – welche mir noch Schaden zufügten – in einem Schiff nach Bagdad zurückgebracht.“

Seine Füße waren gefesselt und während der Schifffahrt nach Bagdad verstarb Muḥammad b. Nūḥ und Imam Aḥmad verrichtete auf ihn das Totengebet. Als Aḥmad in Bagdad ankam, war er krank. Er blieb für ungefähr 28 Monate im Gefängnis oder mehr als 30 Monate. Dann wurde er zu al-Muʿtaṣim gebracht, um gefoltert zu werden (Mehrere Details dazu später).

Imam Aḥmad war derjenige, der die Gefangenen im Gebet leitete, während um seine Füße Ketten gespannt waren. Als al-Muʿtaṣim ihn im Gefängnis besuchte, befahl er, dass man ihm noch mehr Ketten anlegen solle. Imam Aḥmad berichtet:

„Ich war aufgrund der Fußketten nicht mehr imstande, zu gehen. So band ich die Ketten an meinen Hosenbund und trug sie mit meiner Hand mit mir beim Gehen. Dann wurde ich mit einem Reittier abgeholt und aufgrund des schweren Gewichts der Ketten fiel ich fast vom Reittier und es gab keinen der mich halten konnte, doch schonte mich Allah. Als wir beim Kalifathaus ankamen, wurde ich in ein Zimmer gebracht und dort eingesperrt. Ich besaß keine Lampe und das Zimmer war stockdunkel. Ich wollte die Gebetswaschung verrichten, streckte meine Hände aus und ertastete ein Gefäß mit Wasser. So führte ich die Gebetswaschung aus und stand zum Gebet auf.

Jedoch kannte ich die Richtung der Qibla nicht. Ich betete trotzdem und erfuhr am nächsten Morgen, dass ich in Richtung Qibla gebetet hatte. Danach wurde ich zu al-Muʿtaṣim gebracht und Ibn Abī Duʾād war bei ihm. Als al-Muʿtaṣim mich sah, sagte er: ‚Ihr habt doch gemeint, er sei jung? Dies ist ein alter Mann.‘ Als ich mich ihm näherte und ihn grüßte forderte er mich auf, noch näher zu kommen. Danach befahl er mir mich hinzusetzen. Ich setze mich hin und die Ketten waren schwer. Nach einer Weile fragte ich ihn: ‚Zu was hat der Sohn deines Cousins aufgerufen?‘ Er sagte: ‚Zum Bezeugen, dass keiner das Recht hat, angebetet zu werden außer Allah.“ So sagte ich: „Ich bezeuge, dass keiner das Recht hat, angebetet zu werden außer Allah.‘ Der Imam sagte: „So erwähnte ich den Hadith von Ibn ʿAbbās über die Delegation von ʿAbd al-Qais[65] und sagte, dass der Gesandte, Allahs Segen und Frieden auf ihm, genau zu diesem aufgerufen hat. Dann äußerte Ibn Abī Duʾād etwas, jedoch verstand ich seine Worte nicht. Dann sprach al-Muʿtaṣim: ‚Wärst du nicht vor mir schon gefangen worden, hätte ich nichts gegen dich in der Hand.‘ Und er führte fort: ‚ʿAbd ar-Raḥmān (Ibn Abī Duʾād)! Habe ich dir nicht befohlen, die Prüfung aufzuheben.‘ Daraufhin sagte ich: ‚Allah ist der Größte! Dies ist eine Erleichterung für die Muslime.‘“

Danach forderte al-Muʿtaṣim ʿAbd ar-Raḥmān erneut dazu auf, mit dem Imam Aḥmad zu reden. „So fragte ʿAbd ar-Raḥmān mich über meine Meinung über die Erschaffenheit des Korans. Jedoch antwortete ich ihm nicht. So sagte Al-Muʿtaṣim: ‚Antworte ihm!‘ So sagte ich: ‚Was sagst du über das Wissen?‘ Er schweigte. So sagte ich: ‚Derjenige, der behauptet, dass das Wissen Allahs erschaffen sei, ist ein kafir.” Er wurde still. Sie redeten unter sich und sagten: ‚Oh Befehlshaber der Gläubigen! Er hat dich und uns als Ungläubige bezeichnet.‘ Jedoch achtete er nicht auf ihre Worte. ʿAbd ar-Raḥmān sagte: ‚Allah existiert seit jeher der Koran nicht.‘ Ich antwortete: ‚Allah existierte und das Wissen nicht?‘ Da wurde er still. Sie fingen an, untereinander in Chaos zu reden und ich sagte: ‚Oh Befehlshaber der Gläubigen! Gebt mir einen Beweis vom Buche Allahs und der Sunna des Gesandten, damit ich dies als Beweismittel verwenden kann und bezeugen kann, (dass der Koran erschaffen sei).‘ Ibn Abī Duʾād sagte: ‚Und du baust deine Ansichten nur auf dem Koran und der Sunna auf?‘ So sagte ich: ‚Und baut der Islam auf etwas anderem als auf diesen beiden!‘“

[…]

Es gab viele Diskussionen zwischen Imam Aḥmad und den Neuerern. Ibn Abī Duʾād sagte nach der Diskussion: „Er ist, bei Allah, Oh Befehlshaber der Gläubigen, ein fehlgeleiteter, irregeleiteter Neuerer! Dies sind deine Richter und Juristen, frag sie nach ihrer Meinung.” Er fragte sie: „Was sagt ihr?” Sie sagten dasselbe, was Ibn Abī Duʾād zuvor behauptet hatte. Dann wurde er am zweiten Tag gebracht und sie diskutierten erneut mit ihm. Und am dritten Tag ebenso und jedes Mal erhob sich seine Stimme über ihre und jedes Mal überwältigte er sie mit seinen Argumenten. Jedes Mal, wenn sie still waren, würde Ibn Abī Duʾād die Diskussion wieder zum Laufen bringen und er war von den unwissendsten Menschen in Bezug auf das Wissen und die Philosophie. Sie hatten viel Ahnung in der Art der Diskussion, jedoch hatten sie kein Wissen bezüglich der prophetischen Überlieferungen, also fingen sie an, Überlieferungen zu leugnen und sie als Beweismittel abzulehnen.

Imam Aḥmad: „Ich hatte von ihnen Aussprüche gehört, wovon ich niemals angenommen hatte, dass jemand solche Aussagen tätigen würde. Barġūṯ sprach lange mit mir und erwähnte Sachen wie al-ǧism[66] und weiteres, wo überhaupt kein Nutzen enthalten war. Ich sagte zu ihm: ‚Ich weiß nicht worüber du sprichst. Ich weiß nur, dass Allah der Eine (aḥad), der Überlegene (aṣ-ṣamad) ist. Nichts ist Ihm gleich.‘ Dann verstummte Barġūṯ.“

Imam Aḥmad berichtet weiterhin: „Ich führte den Hadith über das Sehen Allahs im Jenseits an und sie versuchten, die Überlieferungskette als nicht-authentisch einzustufen. Dann erfanden sie Aussagen von Hadithgelehrten und versuchten dadurch, den Hadith als Lüge abzustempeln und wie weit sie doch davon waren: ‚Aber wie könnten sie (den Glauben) von einem fernen Ort aus erlangen.’ [Sure Saba:52]

Während dieser ganzen Diskussionen behandelte der Kalif Imam Aḥmad in freundlicher Weise und sagte ständig: „Oh Aḥmad. Antworte meinen Ruf zu dieser Sache, damit ich dich zu meinen engen Vertrauten machen kann.“ Und Imam Aḥmad würde ihm darauf antworten: „Oh Befehlshaber der Gläubigen! Nennt mir einen Vers aus dem Koran oder eine Sunna des Gesandten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, als Beweismittel für eure Ansichten, damit ich mich dieser Sache anschließen kann.”

Als sie seine Beweise aus den Überlieferungen des Gesandten zurückwiesen, argumentierte Ahmad mit den Worten Allahs, wo er die Worte des Propheten Ibrahim anführte: „O mein lieber Vater, warum dienst du dem, was nicht hört und nicht sieht und dir nichts nützt?” [Sure Maryam: 42][67]

Und: „und zu Musa hat Allah unmittelbar gesprochen” [Sure an-Nisāʾ: 164]

Und: „Gewiß, Ich bin Allah. Es gibt keinen Gott außer Mir. So diene Mir” [Sure Ţāhā: 14][68]

Und: „Sicherlich, Sein ist die Schöpfung und der Befehl” [Sure al-ʾAʿrāf: 54][69]

Und: „Unser Wort zu etwas, wenn Wir es wollen, ist, dazu nur zu sagen: „Sei!“, und so ist es.” [Sure an-Naḥl: 40][70] und weitere Verse.

Als sie nicht in der Lage waren, ein Argument gegen ihn zu erbringen, nutzen sie die Autorität des Kalifen aus und sagten: „Oh Befehlshaber der Gläubigen! Dies ist ein fehlgeleiteter, irregeleiteter Ungläubiger.” Sein Stellvertreter in Bagdad Isḥāq b. Ibrāhīm sagte zu ihm: „Oh Befehlshaber der Gläubigen! Es schaut für das Kalifat nicht gut aus, wenn du ihn freilässt und er zwei Kalifen dadurch überkommen hat.” Als der Kalif dies hörte, wurde er sehr wütend und er glaubte ihre Worte. Der Kalif sagte daraufhin zu Imam Aḥmad: „Möge Allah dich verfluchen.“ Er hatte gehofft, er könne ihn von seinen Ansichten überzeugen, jedoch war dies nicht der Fall. Danach forderte der Kalif seine Gefolgschaft auf, Imam Aḥmad festzunehmen und ihm sein Gewand abzuziehen.

Aḥmad berichtet über diesen Vorfall: „Man nahm mich, zerrte mich und mein Gewand wurde mir ausgezogen. Danach wurden zwei Folterwerkzeuge und eine Peitsche gebracht, während ich zusah. Ich hatte bei mir ein Haar des Gesandten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, welches in der Kleidung steckte, die sie mir ausgezogen hatten. Als ich zwischen den zwei Folterwerkzeugen gebracht wurde, sagte ich: ‘Oh Befehlshaber der Gläubigen, ich flehe dich bei Allah an, ich flehe dich bei Allah an! Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sagte: ,Es ist nicht erlaubt, das Blut eines Muslims zu vergießen, außer aus drei Gründen,’ – und ich überlieferte ihm den gesamten Hadith. […] Wieso willst du dann mein Blut vergießen und ich habe nichts von diesen Angelegenheiten getan. Oh Befehlshaber der Gläubigen! Erinnere dich an dein Stehen vor Allah, wie mein Stehen heute vor dir.’ Der Kalif hielt inne. Jedoch hörten die anderen Anwesenden nicht auf, ihm zu sagen: ‚Oh Befehlshaber der Gläubigen! Er ist ein fehlgeleiteter, irregeleiteter Ungläubiger.‘ Der Kalif ordnete daraufhin an, dass man mich zwischen die zwei Folterwerkzeuge stellt. Ein Stuhl wurde gebracht und ich stellte mich darauf. Einige von ihnen befahlen mir, mit den Händen einer der zwei Hölzer festzuhalten, jedoch verstand ich nicht, was sie meinten und so streckte ich meine Hände aus. Zwei Folterer wurden gebracht, die Peitschen bei sich trugen. Einer von ihnen schlug mich zwei Mal mit der Peitsche, während al-Muʿtaṣim zu ihm sprach: ‚Stärker! Möge Allah deine Hand schneiden.‘ Dann kam der andere und schlug mich zwei Mal, dann wechselten sie wieder ab. Sie haben mich so lange gepeitscht, bis ich ohnmächtig wurde. Als sie aufhörten, kam ich wieder zu mir. Al-Muʿtaṣim stand vor mir und forderte mich dazu auf, ihre Ansicht zu bestätigen. Jedoch weigerte ich mich immer noch. Die Folterer sagten zu mir: ‚Wehe dir! Der Kalif steht vor dir!‘ Ich weigerte mich weiterhin. Also fingen sie wieder an, mich zu peitschen. Dann befahl der Kalif mir wieder, ihre Ansicht zu bestätigen. Ich lehnte dies erneut ab und wurde wieder gefoltert. Schlussendlich forderte der Kalif mich ein drittes Mal auf, jedoch war ich aufgrund der Härte der Schläge nicht mehr bei vollem Bewusstsein und verstand so seine Worte nicht. Als sie wieder anfingen mich zu schlagen, wurde ich ohnmächtig und spürte die Schläge nicht mehr. Dies verängstigte den Kalifen und so befahl er, mich freizulassen. Als ich wieder zu mir kam, befand ich mich in einem Zimmer einem Haus und die Fesseln am Fuß waren weggenommen worden.“

Dieser Vorfall ereignete sich am 25 Ramadan im Jahr 221 H. Der Kalif ordnete seine Freilassung an und ließ ihn zu seiner Familie zurückkehren. Er wurde insgesamt über dreißig Mal geschlagen. In anderen Quellen wird von über achtzig Schlägen gesprochen. Es waren sehr harte und starke Schläge.

Als er während des Fastens vom Haus des Kalifen zum Haus von Isḥāq b. Ibrāhīm gebracht wurde, wurde ihm sawīq[71] und Wasser gebracht, damit er aufgrund seines schlechten körperlichen Zustandes sein Fasten bricht. Jedoch weigerte er sich und beendete sein Fasten nicht. Als das Mittagsgebet begann, betete er mit den anderen. Der Kadi Ibn Samāʿa fragte ihn, warum er beten würde, wenn er doch blutet. Aḥmad entgegnete daraufhin, dass Umar auch gebetet habe, während er aus einer Wunde blutete. Ibn Samāʿa schwieg.“[72]

Das Bedauern des Kalifen al-Muʿtaṣim, Imam Aḥmad gefoltert zu haben

Ibn Kaṯīr berichtet weiter: „Als Imam Aḥmad zuhause ankam, kam ein Arzt zu ihm und entfernte das abgestorbene Gewebe von seinem Körper ab und behandelte ihn. Der Stellvertreter (ein beauftragter des Kalifen) schickte oft jemanden zum Imam Aḥmad, um sich nach seinem Wohlbefinden zu erkundigen. Al-Muʿtaṣim bedauerte seine Tat sehr. Als Imam Aḥmad wieder allmählich gesund wurde, freute sich al-Muʿtaṣim, jedoch schmerzten ihm wegen der Kälte auch nach seiner Heilung seine Daumen. Er hat jeden, der in dieser Angelegenheit beteiligt war, vergeben, außer den Neuerern. Er las immerzu die Worte Allahs (sinngemäß): „Sie sollen verzeihen und nachsichtig sein. Liebt ihr es (selbst) nicht, dass Allah euch vergibt?” [Sure An-Nūr: 22] und sagte: ‚Was für ein Nutzen hast du davon, wenn dein Bruder wegen dir bestraft wird? Wahrlich Allah hat gesagt: „Wer aber verzeiht und Besserung bringt, dessen Lohn obliegt Allah.” [Sure aš-Šūrā: 40] und er wird am Tag der Auferstehung rufen: ‘Jeder dessen Lohn Allah obliegt, soll aufstehen!’ Und niemand wird aufstehen außer derjenige, der verziehen hat.”[73]

Imam Aḥmads Standhaftigkeit für die Wahrheit und das Ende der Prüfung

Der Imam Aḥmad kam aus dem Gefängnis, ging nach Hause und blieb für die Wahrheit standhaft. Er verweilte in seinem Haus und überlieferte keine Hadithe, wie es ihm der Kalif al-Muʿtaṣim befohlen hatte. Stattdessen blieb er geduldig und suchte Belohnung bei Allah. Er behielt dies während des Kalifats von al-Muʿtaṣim und in der Zeit seines Sohnes al-Wāṯiq bei. Als al-Mutawakkil ʿalā Allāh Ǧaʿfar b. al-Muʿtaṣim Kalif wurde, freuten sich die Menschen, da er die Sunna und die Folger der Sunna liebte. Er hob die Prüfung auf und schrieb an seine Stellvertreter in allen Städten, dass niemand die Ansicht, dass der Koran erschaffen sei, vertreten dürfe. Er schrieb an seinen Stellvertreter in Bagdad, Isḥāq b. Ibrāhīm, dass er Aḥmad b. Ḥanbal zu ihm schicken solle. Isḥāq rief Imam Aḥmad zu sich und ehrte ihn, da er wusste, wie sehr der Kalif selber ihn lobte und ehrte. Er befragte ihn über die Erschaffenheit des Korans und Imam Aḥmad entgegnete: „Fragst du, weil du unnachgiebig bist oder weil du die Wahrheit wissen willst?” Isḥāq antwortete daraufhin: „Nein, vielmehr um die Wahrheit zu erfahren.” Und Imam Aḥmad sagte: „Der Koran ist das offenbarte Wort Allahs und ist nicht erschaffen.” Isḥāq war mit seiner Antwort zufrieden und bereitete er ihn dann für die Reise zum Kalifen vor.[74]

Das Interesse des Kalifen al-Mutawakkil an Aḥmads Behandlung

Als Imam Aḥmads Krankheit lang andauerte, schickte al-Mutawakkil den Arzt Ibn Māsūya zu ihm, um ihn Medikamente zu verschreiben, jedoch heilte er ihn nicht. Ibn Māsūya ging zum Kalifen und sagte: „Oh Befehlshaber der Gläubigen! Aḥmad hat keine Krankheit. Er ist in diesem Zustand, weil er wenig isst, und (viel) fastet und Gottesdienste verrichtet.” al-Mutawakkil wurde daraufhin still.[75]

Das Ableben von Imam Aḥmad b. Ḥanbal

Der Sohn von Imam Aḥmad, Ṣāliḥ b. Aḥmad, berichtet über den Tod seines Vaters mit folgenden Worten: „Am Anfang von Rabīʿ al-Awwal am Abend fing mein Vater an, Fieber zu haben. Er verbrachte die gesamte Nacht mit Fieber und atmete äußerst schwer. Ich war mir seiner Krankheit bewusst und pflegte ihn.“

Auch Al-Marruḏī überliefert über das Ableben von Imam Aḥmad, dass er am Mittwochabend im zweiten Rabīʿ al-Awwal krank wurde und dass diese Krankheit insgesamt neun Tage andauerte. Als sein Umfeld von der Krankheit erfuhr, statteten sie ihm Besuche ab. Die Menschen traten gruppenweise in sein Zimmer und grüßten ihn, woraufhin er mit einem Handgruß antwortete. Während seiner Krankheit wurde ihm berichtet, dass der Gelehrte Ṭāwūs das Stöhnen des Kranken verabscheute. Also unterließ er das Stöhnen und stöhnte erst in der Nacht, die dem Tag seines Ablebens vorausging, weil die Schmerzen nicht mehr erträglich waren.

Das Beste, was er tat, war, dass er seine Familie mit der Hand anordnete, bei ihm die Gebetswaschung durchzuführen. Er zeigte mit seinen Händen, dass sie zwischen seinen Fingern waschen sollten und währenddessen gedachte er Allah. Als sie mit der Gebetswaschung fertig waren, starb er – möge Gott ihm gnädig sein und mit ihm zufrieden sein. Dies war am Freitag, 12. Rabiʿ al-Auwal im Jahr 241 AH. Er wurde siebenundsiebzig Jahre alt.

Seine Beisetzung

Der Tod von Imam Aḥmad trat am Freitagmorgen ungefähr zwei Stunden nach Tagesbeginn ein. Die Menschen versammelten sich auf der Straße und Muḥammad b. ʿAbdallāh b. Ṭāhir ließ seinen Diener und einen Knaben, der Grabkleider bei sich trug, holen. Er sprach: „Dies mache ich im Namen des Kalifen, denn wenn er anwesend wäre, würde er dasselbe tun.” Die Angehörigen von Imam Aḥmad lehnten jedoch diese Kleider ab, sie sagten: „Der Befehlshaber der Gläubigen hat ihn in seiner Lebenszeit von den Sachen entlastet, die er hasste. Dies ist von den Sachen, die er hasste.” Stattdessen bestatteten sie ihn in einem Gewand, welches von seiner Dienerin für ihn gewebt wurde. Hinzu kauften sie einen gebrauchten Stoff, Duft, welchen sie für die Leiche benutzen und beauftragten eine Person, ein (Leder)Behälter mit Wasser kaufen. Sie wuschen ihn nicht mit dem Wasser ihrer Häuser, da er sie bis zu seinem Tod boykottierte. Er aß nicht bei ihnen, borgte nichts von ihnen aus und war (bis zu seinem Tod) wütend auf sie, da sie das Geld, was ihnen vom Kalifatstaat kam, annahmen. Es waren jeden Monat viertausend dirham und sie waren arm und abhängig.[76]

Circa hundert Angehörige des Kalifatenhauses der banī hāšim waren bei der Totenwaschung von Imam Aḥmad anwesend. Sie küssten seine Stirn, beteten für ihn und baten Allah für ihn um Vergebung. Sein Sarg wurde von unzähligen Menschen zum Grab getragen. Der Statthalter der Abbasiden, Muḥammad b. ʿAbdallāh b. Ṭāhir, befand sich ebenso unter den Anwesenden. Er ging einige Schritte voraus, tröstete die Kinder von Imam Aḥmad und betete vor. Einige wiederholten das Gebet deswegen, nachdem er begraben wurde (, weil sie annahmen, dass das Gebet hinter Muḥammad b. ʿAbdallāh b. Ṭāhir nicht gültig sei). Der Sarg wurde erst nach dem Nachmittagsgebet in das Grab gelegt, weil so viele Menschen anwesend waren.[77]

Al-Baihaqī und weitere überlieferten, dass der Statthalter Muḥammad b. ʿAbdallāh b. Ṭāhir befahl, die Anzahl der bei der Beerdigung anwesenden Menschen zu schätzen. Die Schätzung lag bei einer Million und dreihunderttausend Menschen. In einer anderen Überlieferung wird von siebenhunderttausend Anwesenden gesprochen, ohne diejenigen in den Schiffen mit einzuberechnen. Die niedrigste Zahl, die hinsichtlich der Anwesenden der Beerdigung von Imam Aḥmad genannt wurde, war siebenhunderttausend.

Ibn Abī Ḥātim berichtet, dass al-Mutawakkil befohlen habe, den Platz, an dem die Leute standen, während das Totengebet für Aḥmad b. Ḥanbal verrichtet wurde, auszumessen. Diese Messung ergab, dass der Platz für eine Million und fünfhunderttausend Menschen ausreichte.

ʿAbd al-Wahhāb al-Warrāq überliefert, dass bei der Beerdigung von Imam Aḥmad die prophetische Sunna hervorragte und die Neuerer erniedrigt wurden. Er berichtet, dass Allah die Muslime zufrieden gestellt habe, auch wenn sie zu dem Zeitpunkt eine Prüfung durchlebten, indem er ihnen den wahren Islam offenbarte. Einige Menschen blieben beim Grab von Imam Aḥmad und schliefen dort und einige Frauen hörten nicht auf, sein Grab zu besuchen, bis ihnen dies verboten wurde.

ʿAbd al-Wahhāb al-Warrāq sagte: „Es gibt keine Beerdigung, bei der derartig viele Menschen wie bei der Beerdigung von Imam Aḥmad anwesend waren. Weder in vorislamischer Zeit noch danach.[78]

Möge Allah Imam Aḥmad gnädig sein und uns mit ihm, mit den Propheten, den Wahrheitsliebenden und den Rechtschaffenen in der höchsten Stufe des Paradieses vereinen.

Fazit

Durch diesen Artikel wurde ein zusammenfassender Überblick über das Leben und Schaffen des Imams Aḥmad b. Ḥanbal verschafft. Seine besondere Stellung und sein enormer Verdienst für die islamische Gemeinde wurden hervorgehoben und wie bei den zuvor behandelten Imamen wurde auch in dieser Abhandlung seine Standfestigkeit und das Ausmaß seines Gottesvertrauens, welches ihn die schlimmsten Prüfungen und Qualen durchleiden ließen, ohne von der Religion und von der Wahrheit abzufallen, veranschaulicht. Wie alle anderen großen Imame auch stellt Aḥmad b. Ḥanbal ein Vorbild für alle Muslime dar, sowohl hinsichtlich seines Festhaltens an der prophetischen Sunna oder den Umfang seiner gottesdienstlichen Handlungen als auch in Bezug auf sein Streben nach islamischem Wissen, seine Standhaftigkeit in der Religion oder sein Vertrauen auf Allah.

Endnoten: 

* Diese Darstellung baut auf den arabischen Artikel: https://bit.ly/3LrmTqQ auf.

[1] Muḥammad b. Aḥmad b. ʿUṯmān aḏ-Ḏahabī: Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ, Bd. 11, S. 178.

[2] Ibid. Bd. 11, S. 179.

[3] Ibid. Bd. 11, S. 332–333.

[4] Muḥammad Abū al-Faraǧ b. al-Ǧawzī: Ṣifat aṣ-Ṣafwa, Bd. 2, S. 340.

[5] aḏ-Ḏahabī: Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ, Bd. 11, S. 181.

[6] Ibid. Bd. 11, S. 187.

[7] Ibid. Bd. 11, S. 186.

[8] Ibid. Bd. 11, S. 200.

[9] Ibid. Bd. 11, S. 187–188.

[10] Dies sind berühmte Gefährten von dem Imam Abū Ḥanīfa.

[11] Ibid. Bd. 11, S. 306.

[12] Abū al-Faraǧ Muḥammad b. Isḥāq an-Nadīm: al-Fihrist (Der Katalog), S. 281.

[13] aḏ-Ḏahabī: Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ, Bd. 11, S. 329. Anmerkung: Imam Aḥmad b. Ḥanbal nannte selber eine Anzahl von 750.000 Überlieferungen, jedoch ist an dieser Stelle relevant zu erwähnen, dass damit nicht 750.000 verschiedene Hadithe gemeint sind. Sondern vielmehr handelt es sich oft um den gleichen Hadith, der jedoch mit verschiedenen Überlieferungsketten überliefert wurde. Die Gelehrten, wie Imam Aḥmad, al-Buḫārī oder Muslim, wählten von diesen Wegen eine oder mehrere authentische Wege aus und ließen die nicht authentischen Hadithe oder Überlieferungsketten aus. Unter diesen tausenden Hadithen sind auch Überlieferungen über die Gefährten, tābʿīn und andere enthalten, die die Gelehrten damals auch mit Überlieferungsketten überlieferten.

[14] Abū al-Fidāʾ ʿImād ad-Dīn Ismāʿīl b.ʿ Umar b. Kaṯīr: al-Bidāya wa an-Nihāya, Bd. 10, S. 340.

[15] Dies wird später detaillierter behandelt.

[16] Ibn al-Ǧawzī: Ṣifat aṣ-Ṣafwa, Bd. 2, S. 349.

[17] aḏ-Ḏahabī: Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ, Bd. 11, S. 223.

[18] Ibid. Bd. 11, S. 223.

[19] Ibn al-Ǧawzī: Ṣifat aṣ-Ṣafwa, Bd. 2, S. 339.

[20] aḏ-Ḏahabī: Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ, Bd. 11, S. 220–221.

[21] Ibid. Bd. 11, S. 316.

[22] Ibid. Bd. 11, S. 316.

[23] Ibid. Bd. 11, S. 316–317.

[24] Ibid. Bd. 11, S. 227.

[25] Ibn al-Ǧawzī: Ṣifat aṣ-Ṣafwa, Bd. 2, S. 339.

[26] Eine Stadt in der heutigen Türkei.

[27] aḏ-Ḏahabī: Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ, Bd. 11, S. 311.

[28] Ibn al-Ǧawzī: Ṣifat aṣ-Ṣafwa, Bd. 2, S. 349–350.

[29] Dies war der damalige Herrscher.

[30] Dies war der Herrscher nach al-Maʾmūn.

[31] aḏ-Ḏahabī: Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ, Bd. 11, S. 241–242.

[32] Ibid. Bd. 11, S. 224.

[33] Ibn al-Ǧawzī: Ṣifat aṣ-Ṣafwa, Bd. 2, S. 343–344.

[34] Ibid. Bd. 2, S. 343–344.

[35] aḏ-Ḏahabī: Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ, Bd. 11, S. 215–216.

[36] Ibid. Bd. 11, S. 227.

[37] Ibid. Bd. 11, S. 214.

[38] Ibid. Bd. 11, S. 214.

[39] Ibn al-Ǧawzī: Ṣifat aṣ-Ṣafwa, Bd. 2, S. 340.

[40] Ibn Kaṯīr: al-Bidāya wa an-Nihāya, Bd. 10, S. 342.

[41] Der damalige Herrscher.

[42] Ibid. Bd. 10, S. 342.

[43] Ibid. Bd. 10, S. 342.

[44] Ibid. Bd. 10, S. 342.

[45] aḏ-Ḏahabī: Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ, Bd. 11, S. 229.

[46] Ibid. Bd. 11, S. 195.

[47] Ibid. Bd. 11, S. 213.

[48] Ibn al-Ǧawzī: Ṣifat aṣ-Ṣafwa, Bd. 2, S. 337.

[49] D.h. Beweis

[50] aḏ-Ḏahabī: Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ, Bd. 11, S. 196.

[51] Ibid. Bd. 11, S. 195.

[52] Ibid. Bd. 11, S. 189.

[53] Ibid. Bd. 11, S. 198.

[54] Ibid.

[55] Ibid.

[56] Ibn Kaṯīr: al-Bidāya wa an-Nihāya, Bd. 14, S. 407.

[57] aḏ-Ḏahabī: Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ, Bd. 11, S. 196.

[58] Ibn Kaṯīr: al-Bidāya wa an-Nihāya, Bd. 10, S. 350.

[59] aḏ-Ḏahabī: Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ, Bd. 11, S. 195.

[60] Ibn al-Ǧawzī: Ṣifat aṣ-Ṣafwa, Bd. 2, S. 338.

[61] Ibid. Bd. 2, S. 339.

[62] Eine Stadt in der Türkei.

[63] Wörtl. Ankunft. Damit ist gemeint, dass Imam Aḥmad das Vorbild der Gläubigen ist und sie seiner Meinung folgen.

[64] Dies war einer der Anführer der mutazilitischen Neuerer.

[65] Dies war ein Hadith über den Iman und Säulen des Islams.

[66] Wörtl. der Körper, eine philosophische Bezeichnung.

[67] D.h. wenn eine Sache, die nicht hört und nicht sieht, nicht anbetungswürdig ist, dann hat Allah, der Anbetungswürdige, selbstverständlich diese Eigenschaften: Er kann hören, sehen und auch sprechen, so wie es Ihm gebührt.

[68] Wenn das Wort Gottes erschaffen wäre, dann hätte ein Geschöpf und nicht Allah diese Worte ausgesprochen.

[69] Allah unterscheidet hier zwischen der Schöpfung (die erschaffen ist) und dem Befehl (der nicht erschaffen ist). Wären beide erschaffen, dann wäre die Unterscheidung zwischen beiden in diesem Vers sinnlos gewesen.

[70] Das Wort ‘Sei’ ist ein Befehl, d.h. Der Befehl ist nicht erschaffen (siehe voriger Vers), sein Wort ist nicht erschaffen, der Koran, das Wort Allahs ist, ist somit nicht erschaffen.

[71] Ein arabisches Getränk aus Gerste, Milch und Datteln.

[72] Ibn Kaṯīr: al-Bidāya wa an-Nihāya, Bd. 10, S. 346–349.

[73] Ibid. Bd. 10, S. 349.

[74] Ibid. Bd. 10, S. 351.

[75] aḏ-Ḏahabī: Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ, Bd. 11, S. 271.

[76] Ibn Kaṯīr: al-Bidāya wa an-Nihāya, Bd. 10, S. 375.

[77] Ibid.

[78] Ibn Kaṯīr: al-Bidāya wa an-Nihāya, Bd. 10, S. 356.

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