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Die Rechte der Töchter gegenüber ihren Vätern

Inhalt

Einleitung

Töchter sind ein Segen – doch leider werden sie in vielen Gesellschaften immer wieder benachteiligt. Der Islam hingegen betont ihren hohen Rang und legt klare Rechte fest, die Vätern aufgetragen sind. Dieser Artikel nimmt dich mit auf eine Reise durch die islamische Lehre zu den Rechten der Töchter. Dabei wird deutlich, welche immense Verantwortung und Belohnung damit verknüpft ist, sich um seine Töchter zu kümmern – sowohl in der materiellen als auch in der seelischen und religiösen Hinsicht.

Allāhs Weisheit in der Schöpfung

Fortpflanzung und Paarung

Allāh hat in Seiner Schöpfung gewollt, dass sich Lebewesen – ob Menschen, Tiere, Vögel oder Insekten – über Männchen und Weibchen vermehren. Er hätte es anders bestimmen können, doch Er sagt sinngemäß:

„Und von allem haben Wir (je) ein Paar erschaffen, auf dass ihr euch besinnt.“
(Sūrat aḏ-Ḏāriyāt, 51:49)

Auch lesen wir:

„Sollte denn Derjenige, Der erschaffen hat, nicht Bescheid wissen? Und Er ist der Allgütige und Allkundige.“
(Sūrat al-Mulk, 67:14)

„… und Der alles erschaffen und ihm ein bestimmtes Maß gegeben hat.“
(Sūrat al-Furqān, 25:2)

Historischer Hintergrund: Unterdrückung der Frau und die Stellung des Islam

Weil Frauen körperlich schwächer sind, wurden sie von irregeleiteten Völkern seit Anbeginn oft unterdrückt. Die Araber der vorislamischen Zeit (ǧāhiliyya) gingen sogar so weit, ihre Töchter lebendig zu begraben. Sie sahen in ihnen eine Last und Schande, da sie nicht im Kampf reiten oder Geld verdienen konnten. Allāh aber entlarvt dieses Unrecht im Qurʾān:

„Wenn (dann) das (Mädchen,) das lebendig begraben wurde, gefragt wird, wegen welcher Verfehlung es getötet wurde.“
(Sūrat at-Takwīr, 81:8–9)

Auch sagt Er:

„Und wenn einem von ihnen die frohe Botschaft (von der Geburt) eines Mädchens verkündet wird, verfinstert sich sein Gesicht, und er unterdrückt den inneren Schmerz. Er verbirgt sich vor den Leuten wegen der Schlechtigkeit dessen, was ihm verkündet worden ist: Soll er es trotz der Schmach behalten oder soll er es in den Staub drücken? Wie böse ist doch, wie sie urteilen!“
(Sūrat an-Naḥl, 16:58–59)

Die prophetische Vorbildfunktion

Der edelste aller Menschen, der Gesandte Allāhs ﷺ, hatte mehrere Töchter. Das ist ein Beweis dafür, wie sehr Töchter im Islam geschätzt werden. Jeder, dem Allāh Töchter schenkt, sollte das als Grund zur Freude und zur Dankbarkeit sehen.

Die besondere Belohnung für die Fürsorge gegenüber Töchtern

Da Töchter allgemein als schwächer gelten und viele Menschen sich vordergründig über Söhne freuen, hat die islamische Scharīʿa für Fürsorge und Erziehung der Töchter eine herausragende Belohnung versprochen – in manchen Überlieferungen sogar über die Belohnung für Söhne hinausgehend.

Der Prophet ﷺ sagte (sinngemäß):

  1. „Wer mit diesen Töchtern geprüft wird und sich gut um sie kümmert, wird von der Hölle geschützt sein.“ (Überliefert in Sunan Ibn Majah, ‎3669)
  2. „Wer drei Töchter hat, Geduld mit ihnen zeigt und sie aus seinem eigenen Vermögen versorgt, für den ist der Schutz vor der Hölle gewährleistet.“ (Überliefert in Sunan at‑Tirmidhi, 1913)
  3. „Kein Muslim, der zwei Töchter hat und sich gut um sie kümmert, wird (daran) gehindert, ins Paradies einzutreten.“ (Überliefert in Sunan at‑Tirmidhi, 1914)
  4. „Wer drei Töchter betreut und für sie sorgt, der hat mit Sicherheit das Paradies verdient.“ Jemand fragte: „Und zwei, o Gesandter Allāhs?“ Er antwortete: „Ja, auch zwei.“ (Überliefert in Sunan at‑Tirmidhi, 1913)
  5. „Wer zwei Mädchen bis zu ihrem Erwachsenwerden versorgt, wird am Tag der Auferstehung (so eng) bei mir sein wie diese beiden Finger.“ (Überliefert bei Muslim, 2631)

Die emotionale und psychologische Fürsorge

Viele Menschen beschränken die Fürsorge für Töchter auf Nahrung und Kleidung, während sie die emotionalen und psychologischen Bedürfnisse vernachlässigen:

  • Zeit schenken
  • Aufmerksamkeit und Gespräche
  • Zuhören und Verständnis
  • Lösung von Problemen

Der Prophet ﷺ sagte:

„Fürchtet Allāh und seid gerecht gegenüber euren Kindern.“
(Überliefert von al-Buchārī, 2587)

Manche Väter essen nicht einmal mit ihren Frauen und Töchtern, weil sie dies als „unmännlich“ ansehen. Nur die Söhne dürfen an ihrer Seite sitzen, während die Töchter ausgeschlossen werden. Dabei sind die seelische Unterstützung und Gerechtigkeit im Umgang – unabhängig vom Geschlecht des Kindes – zentrale Pflichten im Islam.

Folgen mangelnder Zuwendung

Bleibt diese Zuwendung aus, suchen manche Mädchen emotionale Bestätigung außerhalb ihrer Familie und können dabei in Sünde und Schande geraten. So werden sie leichte Beute für Menschen, die ihre Schwäche ausnutzen.

Erziehung in der Scharīʿa: Mehr als nur materielle Versorgung

Die große Belohnung für die Betreuung von Töchtern setzt voraus, dass die Erziehung im Sinne der Scharīʿa erfolgt. Es reicht nicht, sie nur körperlich zu versorgen oder ihnen Freiräume zu geben, die sie in die Sünde locken. Dazu zählt insbesondere:

  • Vermittlung religiöser Pflichten: Gebet, Reinheitsvorschriften (Besonders bei Menstruation)
  • Förderung von Keuschheit und Ḥijāb
  • Aufklärung über Grenzen und Rechte
  • Zugang zu medienfreien Zonen oder zumindest medienkritischem Denken: Keine obszönen Sendungen oder Schriften, die zu Sünde und Unglauben aufrufen

Materielle vs. spirituelle Aspekte

Ein Vater, der nur für Nahrung und Kleidung sorgt, aber seine Töchter geistig und religiös vernachlässigt, kann nicht ernsthaft auf die in den Ḥadīṯen versprochene Belohnung hoffen.

„Wer sich gut um sie kümmert … wer sie unterbringt, für sie sorgt und sie mit Barmherzigkeit behandelt …“

So wird in den Überlieferungen betont. Diese „gute Fürsorge“ beinhaltet eben auch die Bewahrung vor dem Feuer und dem Unheil der Sünde.

Rechte der Töchter und die Vermeidung von Ungerechtigkeit

Eine der größten Ungerechtigkeiten gegenüber Töchtern ist, ihnen Rechte vorzuenthalten, die Allāh ihnen gegeben hat. Manche Väter schränken sie beim Erbe ein oder übertragen ihr Vermögen vor dem Tod nur auf ihre Söhne. Dies ist ein massiver Verstoß gegen die Gebote Allāhs, der die Schwachen (wie Töchter) ausdrücklich schützt.

Heiratsverweigerung

Noch schwerwiegender ist es, die Tochter an einer Heirat zu hindern, obwohl geeignete Bewerber vorhanden sind. Gründe dafür können sein:

  • Übertriebener Familienstolz (z. B. nur Heirat innerhalb eines Stammes)
  • Unerfüllbare Ansprüche (warten auf den „perfekten“ Mann)
  • Vorherige Versprechen an Verwandte gegen den Willen der Tochter
  • Väterliche Habgier: Die Tochter soll weiterhin im Haus bleiben und für Einkommen sorgen

All das ist ein extremes Unrecht und verursacht großes Leid.

Verkaufen der Tochter

Besonders bedauerlich ist es, wenn ein Vater seine Tochter „verkauft“, indem er von einem wohlhabenden Mann eine hohe Brautgabe einfordert und die Tochter dann sich selbst überlässt. Dabei steht die Brautgabe (mahr) eindeutig der Braut zu.

Islamische Leitlinien für den Heiratsprozess

Wenn ein Bewerber um die Hand der Tochter anklopft:

  1. Geprüft werden sollen Glaube und Charakter.
  2. Befragung der Tochter ist Pflicht. Ihr Wille muss berücksichtigt werden.

Der Prophet ﷺ sagte:

„Die Witwe wird nicht verheiratet, bis sie (deutlich) um ihre Erlaubnis gebeten wird, und die Jungfrau nicht, bis man ihre Zustimmung einholt.“

(Überliefert von al-Buchārī, 4843 und Muslim, 1419)

Die Gelehrten betonen: Wenn die Tochter einen religiös und charakterlich geeigneten Bewerber wünscht und der Vater einen anderen bevorzugt, blockiert er sie zu Unrecht, sofern sein Einwand nicht religiös begründet ist.

Ausbildung und Beruf

Manche Töchter wollen erst nach dem Studium oder später heiraten. Der Vater sollte sie daran erinnern, dass die Ehe ein wichtiger Bestandteil des islamischen Lebens ist. Ein passender Bewerber kann seine Frau unterstützen, sodass Beruf oder Studium oft kein Hindernis darstellen.

„Wenn jemand zu euch kommt, dessen Religion und Charakter euch gefallen, dann heiratet ihn; wenn ihr das nicht tut, wird es auf der Erde zu Unruhe und großem Verderb kommen.“
(Überliefert von at-Tirmiḏī, 1084)

Verpasst man geeignete Gelegenheiten, kann es später schwierig werden, überhaupt noch jemanden zu finden.

Rechte der geschiedenen Tochter

Kehren Töchter nach einer Scheidung ins Elternhaus zurück, ist es nicht recht, sie zu schmähen oder ihnen Vorwürfe zu machen. Wenn der ehemalige Ehemann sie erneut heiraten möchte und die Tochter dem zustimmt, soll der Vater dies nicht verweigern. Allāh sagt: „Und wenn ihr die Frauen entlasst und sie das Ende ihrer Wartezeit erreicht haben, dann hindert sie (nicht daran), ihre (neuen) Ehemänner zu heiraten …“
(Sūrat al-Baqara, 2:232)

Ein bekanntes Beispiel ist Maʿqal ibn Yasār, der zunächst ablehnte, seine Schwester erneut mit ihrem früheren Mann zu verheiraten. Erst durch die Offenbarung dieses Verses stimmte er zu.

Wiederholte Ehe, auch im Alter

Auch wenn eine Tochter mehrmals geschieden wurde oder sie verwitwet ist, bleibt ihr Recht auf eine erneute Ehe bestehen – egal, ob sie Kinder hat oder älter ist. Beispiele aus dem Leben der Gefährtinnen (Arab.: ṣaḥābiyyāt) zeigen, wie selbstverständlich mehrfaches Heiraten war.

Umgang mit Schwiegersöhnen

Der Vater sollte die Ehemänner seiner Töchter respektvoll behandeln und Zuneigung zeigen, denn sie hüten die Ehre seiner Familie.

Gerechtigkeit zwischen Enkeln

Wer sowohl Enkelkinder durch Söhne als auch durch Töchter hat, sollte keine Vorzüge machen. Lieben wir die Kinder der Söhne stärker, könnte das die Töchter verletzen und Neid unter den Enkeln säen.

Praktischer Rat für die islamische Kindererziehung

  • Töchter und Söhne gleich behandeln: materiell und emotional.
  • Religiöse Pflichten lehren: Gebet, Reinheit, Umgang mit Medien.
  • Emotionale Bedürfnisse ernst nehmen: Gespräche, Lob, Anerkennung.
  • Heiratswünsche nicht blockieren: Prüfen von Religion und Charakter der Bewerber, Zustimmung der Tochter einholen.
  • Rechte wahren: Erbe, Brautgabe, ein sicheres Zuhause.

„O die ihr glaubt, hütet euch selbst und eure Familien vor einem Feuer, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind …“
(Sūrat at-Taḥrīm, 66:6)

Fazit

Die Rechte der Töchter im Islam sind umfassend und schließen sowohl ihre materielle als auch emotionale und religiöse Versorgung ein. Ein Vater, der seine Töchter nach den Geboten Allāhs erzieht, gerecht behandelt und sie nicht von ihren Rechten – ob beim Erbe oder bei der Heirat – ausschließt, erfüllt eine gewaltige Verantwortung. Die Belohnung dafür ist, so lehrt uns der Prophet ﷺ, besonders groß.

Werden wir diesen Rechten gerecht, trägt das zu einem harmonischen Familienleben und zu einem gottgefälligen Miteinander bei. Möge Allāh uns und allen Muslimen helfen, unsere Töchter zu schützen, sie auf den rechten Weg zu führen und vor Ungerechtigkeit zu bewahren.

 

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